Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1913)
- Article
- Vortrag des Herrn Professor Dr. Falkenheim, Königsberg
- Date
- 1913-05-01
- Page
- 208 (sequence 8)
- Language
- German
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208 Im deutschen Reich. 300 000 M. für zentrale zionistische Zwecke aufgebraucht worden, wozu noch eine Einzelspende für den jüdischen Rationalfonds von 34 000 M. tritt. Die Zionisten in Königsberg bringen für zionistische Zwecke rund 12 000 M. auf, eine Summe, die ca. 15 °/o der Steuerlast der gesamten Gemeinde ausmacht. Es spricht sich darin aber auch die ständige Berührung mit dem russischen Elend aus, wie auch die Anwesenheit einer größeren Anzahl russischer Juden. Würde der Zionismus sich den Anterschied zwischen osteuropäischen und westeuropäischen Juden, wie ihn Oppenheimer, der selbst ein Zionist ist, so scharf charakterisiert, zur Richtschnur nehmen, würde er sich um die Verbesserung der Verhältnisse der osteuropäischen Juden mühen, ihnen, die unter unerträglichem Drucke leiden, die Möglichkeit schaffen, auszuwandern und unter günstigeren Existenzbedingungen zu leben, eventuell auch in Palästina, würde er zur Vorbereitung der Auswanderung die Volksidee heranziehen, würde er auch in Westeuropa auf sie Hinweisen, um durch Stärkung des Stammesbewußtseins lebhafteres Interesse wachzurufen, aber ohne die Wurzellosigkeit des deutschen Juden zu proklamieren und ihn dem deutschen Vaterlande zu entfremden, dann würde von seiten des Centralvereins dagegen nicht Stellung zu nehmen sein. So Vorgehen kann der Zionismus aber nicht, will er vorwärts kommen. Rur die radikalste Vertretung des nationalen Gedankens nach außen kann den Sieg des Zionismus in der deutschen Fudenheit garantieren, so faßte Herr Dr. Hantke die Ansicht des Posener Delegiertentages scharf zusammen. Die Losreitzung des'deutschen Juden von dem Boden, auf dem er aufgewachsen ist, soll also mit Hochdruck betrieben werden. Auch hierin liegt ein krasser Gegensatz zu den Bestrebungen des Centralvereins. Die Leitung der zionistischen Bewegung ruht in der Hand der deutschen Zionisten. Die deutsche Landsmannschaft marschiert an der Spitze. Der aus deutschem Geistesleben geschöpfte Idealismus, die durch die deutsche Kultur geförderte Bildung und Intelligenz, das Verständnis für die Rotwendigkeit und die Möglichkeit geordneten Vorgehens, für Organisation und Disziplin befähigen sie dazu in hervorragendem Maße. Die Zentrale hat ihren Sitz in Berlin. Die Organisation ist außerordentlich geschickt ausgebaut. Ganz nach dem Muster der Polen bemüht man sich überall, neue Stützpunkte zu gewinnen. So werden freigewordene Stellen von Aerzten und Rechtsanwälten möglichst von Anhängern des Zionismus besetzt. In Allenstein (Ostpr.) ist ein Spezialarzt gestorben. Flugs wird in der Jüdischen Rundschau auf die aussichtsreiche Vakanz hingewiesen. Die gewaltige Bedeutung der Gewinnung der Fugend wird vollauf erkannt. „Die jetzigen Kinder, die Anmündigen, müssen wir gut jüdisch und national erziehen. Dazu ist es notwendig, sich die Religionsschulen, die Schulen zu erobern, damit ein Geschlecht heranwächst, das schon eine historisch und national gerichtete Disposition ins Leben mitbekommt." Welchen Standpunkt soll wohl eine so erzogene Jugend im späteren Leben Deutschland gegenüber einnehmen! (Bravo!) Referendar Rosenblüth erklärt in feinem Referat über die Aufgabe der jüdischen Jugend auf dem I. Turntage des deutschen Kreises der Jüdischen Turnerschaft, von einer „Bewegung" im eigentlichen Sinne könne nur dort die Rede sein, wo wirklich Keime ans Licht streben, und wo für die Zukunft einer Gemeinschaft gewirkt werde. Innerhalb der jüdischen Jugend gäbe es nur eine Organisation, der nach dieser Definition die Bezeichnung „Jugendbewegung" zustehe, und das sei die national-jüdische Jugend-