Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1913)
- Article
- Vortrag des Herrn Professor Dr. Falkenheim, Königsberg
- Date
- 1913-05-01
- Page
- 207 (sequence 7)
- Language
- German
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Centralverein und Zionismus. 207 Güdemann, der gelehrte Oberrabbiner von Wien, der allerdings zu einer völligen Ablehnung des Ratio naljudentums kam und in ihm eine Herabdrückung der Weltreligion sah! Die nationale Idee sei vom Standpunkte der ewigen Wahrheiten des Judentums und dem Geiste seiner Geschichte zu behandeln, nicht nach den Bedürfnissen des Augenblicks unter dem Eindrücke einer Zeitbewegung, sonst könne über der Absicht, dem Judentum zu helfen, das Judentum zugrunde gehen. tym die Wurzellosigkeit des deutschen Juden zu erweisen, wird mit allen Mitteln gearbeitet, ihn aus dem Zusammenhangs mit der Umgebung zu lösen, bemüht man sich, alle Fäden zu zerreißen, die ihn mit der Amwelt verknüpfen, verekelt sie ihm, verärgert ihn. Die Rüstkammer des Antisemitismus wird geöffnet, alle Argumente dafür, daß zwischen deutschen Juden und deutschen Christen eine völlige Verschiedenheit besteht, daß ein unüberbrückbarer Gegensatz vorhanden ist, werden hervorgeholt. Mit denselben Mitteln, mit denen der Antisemitismus die deutschen Juden bekämpft, mit denselben Mitteln suchen die Agitatoren der nationaljüdischen Idee die Richtigkeit ihrer Ansicht zu erweisen und neue Anhänger zu gewinnen. Es gibt kaum einen deutlicheren Beweis dafür, als die Genugtuung, mit der sich die Antisemiten auf die Zionisten berufen. So steht z. B. in einer Beilage zur „Hochwacht" des deutsch-nationalen Handlungsgehilfenverbandes Juni 1912, Freiburg i. Breisgau, zu lesen: „Den Mitgliedern der hiesigen Ortsgruppe des Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hätte es unseres Erachtens gar nichts geschadet, wenn sie die Ausführungen des Generalsekretärs der zionistischen Bewegung in Deutschland, des Herrn Kurt Blumenfeld, vor 4 Wochen in der Harmonia angehört hätten. Der verbissenste Antisemit hätte es nicht besser verstanden, den entrüsteten „deutsch-nationalen" Juden die heuchlerische Maske vom Gesicht zu reißen, als wie es Herr Blumenfeld getan hat." Die nicht zionistischen deutschen Juden werden beschuldigt, durch ihr Verhalten den Antisemitismus groß zu ziehen, während der Zionismus ihm abträglich wirke durch die Konstatierung der Grundverschiedenheit von Juden und Deutschen und dadurch, daß durch die Eröffnung von Palästina ein Abströmen jenes Aeberflusses von Juden bewirkt würde, der die Ursache des reaktiven Antisemitismus wäre. Die Zionisten mögen diese Ansicht haben, es liegt kein Grund vor, an ihrem guten Glauben zu zweifeln. Bis aber der von ihnen erwartete Erfolg ihrer Tätigkeit eingetreten sein wird, darauf dürften sie, die sich über die Geduld der deutschen Juden hinsichtlich Tatwerdens der wirklichen »Gleichberechtigung aufhalten, länger zu warten Haben, als der Centralverein. (Sehr richtig!) Daß die Abwehrtätigkeit des Centralvereins durch das Verhalten der Zionisten auf das Erheblichste beeinträchtigt wird, liegt auf der Hand. Gas ideelle Moment, die Erinnerung an das heilige Land, von dem das Judentum seinen Ausgang genommen, hat sich allein als nicht genügend zugkräftig zur Mobilisierung der Massen, zur Gewinnung der profanen, für alle Ankern eh mun gen, und auch die besten, so höchst notwendigen Geldmittel erwiesen. Von der religiösen Idee wird noch weniger Wirkung erwartet. „In dieser Zeit mit einer Missionsidee zu paradieren, ist eitel Selbstbetrug. Der spitze Stachel des Elefant entreibers, mit dem wir die Massen kitzeln, ist die nationale Idee," so erklärte Herr Lichtheim in Königsberg. Der spitze Stachel wird gründlichst benutzt. Ganz abgesehen von den großen lokalen Aufwendungen für Propaganda und Organisation sind in Deutschland in den Fahren 1910 und 1911 über