Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1913)
- Article
- Vortrag des Herrn Professor Dr. Falkenheim, Königsberg
- Date
- 1913-05-01
- Page
- 206 (sequence 6)
- Language
- German
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206 Im deutschen Reich. von völkischen Erwägungen aus als aus Gründen der Humanität diktiert sind. (Sehr richtig!) Können auch von andersdenkenden Juden, von nicht national-jüdischer Seite aus die Motive nicht Billigung finden, das Ergebnis, die Tatsache, daß kolonisatorische Werte geschaffen werden, wird doch als erfreulich begrüßt werden müssen. Allerdings wird dann auch von zionistischer Seite nicht vergessen werden dürfen, anzuerkennen, daß auch von nicht zionistischer Seite aus und früher als von ihr, außerordentlich viel getan worden ist, getan wird, und mit Erfolg getan wird, und zwar nicht nur in Palästina, sondern auch in Argentinien. Daß dort die Ansiedlungs- Lätigkeit schließlich sehr erfreuliche Resultate gezeigt hat, davon erfährt und weiß die zionistische Gefolgschaft nichts oder jedenfalls viel zu wenig. (Sehr richtig!) Will man sich ein Urteil über den Zionismus bilden, so muß man von den Auch-Zionisten, den Mitläufern, insbesondere denen, die nur aus charitativen Motiven mittun, absehen. Es gibt der Schattierungen viele im Zionismus. Oppenheimer sagt in seinem Aufsatze über Stammesbewußtsein und Volksbewußtsein in der „Welt": „Ich weiß, daß viele von uns im Westen sich mit Stolz ebenfalls „Nationaljuden" nennen. Einige mögen es wirklich sein: Männer der besitzenden Klasse von besonders empfindlichem Ehrgefühl, die die gesellschaftliche Zurücksetzung als unerträgliche Schmach empfinden, einige „Enterbte", denen ihr Staat nichts gibt und alles versagt; einige junge Feuerköpfe, die den gröberen Keil auf den groben Klotz setzen und das Kind mit dem Bade ausschütten; einige, die sozusagen schon zur Reise nach Palästina gepackt haben." Der Zionismus strenger Observanz, und nur von diesem soll die Rede sein, erklärt: „Noch heute ist ein jüdisches Volk. Der deutsche Jude, ein äußerlich freier, innerlich unfreier Lmanzipationsjude, ist an die Stelle des äußerlich bedrängten, innerlich freien Ghettojuden getreten." Der Zionismus dekretiert: „Der deutsche Jude hat keine Lieferen Beziehungen zur deutschen Amwelt, der er aus Rassegründen antipathisch ist, er ist wurzellos, ohne Halt, ein Fremder, ein Gast im fremden Wirtsvolk." Diese von dem Zionismus hingestellte Tatsache der Fremdheit, der Wurzellosigkeit des deutschen Juden, der seiner Amgebung nach seinem ganzen Sinn immer fremd bleiben muß, gilt mit als Beweis der Existenz eines besonderen jüdischen Volks und der für den deutschen Juden bestehenden Notwendigkeit, sich im Interesse der Persönlichkeitswerdung zur Abwendung des ihm sonst bevorstehenden Antergangs zum Nationaljudentum zu bekennen, sein ganzes Wollen, sein ganzes Denken nach Zion zu orientieren. Vom Judentum selbst als Religion ist dabei verhältnismäßig wenig die Rede. Feder einzelne mag dazu nach Belieben Stellung nehmen, und so gibt es allerstrammste Zionisten, die es an äußerlich in die Erscheinung tretendem religiösen Indifferentismus, soweit dieser überhaupt zur Beurteilung der Religiosität eines Menschen herangezogen werden darf, mit jenen vollauf aufnehmen, deren Zugehörigkeit zum Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens bespöttelt wird. So war es möglich, theoretisch den Nationaljuden christlicher Konfession zu konstruieren. Man darf annehmen, daß als selbstverständlich angesehen wird, daß in dem geeinten, nach Zion zurück geführten Volk auch d ie Glaubenslehre hochgehalten werden würde, immerhin aber würde gerade der Jugend gegenüber Nachdruck auf den religiösen Inhalt des Judentums gelegt werden müssen, zumal da bei der Kleinheit des Landes ein Hinwandern aller Juden dorthin ausgeschlossen ist, die weit überwiegende Mehrheit in der Diaspora verbleiben muß. Wie sagte doch