Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1913)
- Article
- Vortrag des Herrn Professor Dr. Falkenheim, Königsberg
- Date
- 1913-05-01
- Page
- 205 (sequence 5)
- Language
- German
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Centralverein und Zionismils. 205 3. Mit dieser Verpflichtung aber stehen nicht in Widerspruch jene ed-len^ Bestrebungen, welche auf die Kolonisation Palästinas durch jüdische Ackerbauer abzielen, weil sie zur Gründung eines nationulen Staates keinerlei Beziehung haben. Religion und- Vaterlandsliebe legen uns daher in gleicher Weise die Pflicht auf, alle, denen das Wohl des Judentums am Herzen liegt, zu bitten, daß sie sich von den vorerwähnten zionistischen Bestrebungen und ganz besonders von dem trotz aller Abmachungen noch immer geplanten Kongreß fernhalten." Die Rabbiner Vogelstein und Mahbaum erklärten in einem offenen Schreiben: ,,Rur weil wir aus vollster Aeberzeugung zu unseren Landsleuten sagen können, daß wir lediglich in religiöser Beziehung eine besondere Gemeinschaft bilden, daß wir aber in nationaler Hinsicht uns vollkommen eins mit ihnen fühlen und die geistigen und sittlichen Ziele des teuren Vaterlandes mit gleicher Begeisterung erstreben, dürfen wir auf volle Verwirklichung der Gleichberechtigung dringen und jede Verkümmerung derselben als eine Verletzung unserer heiligsten Gefühle empfinden.... lieber das Rationaljudentum hat die Geschichte vor 1800 Jahren durch die Auflösung des jüdischen Staates und die Einäscherung des jüdischen Tempels entschieden." Mahbaum und Vogelstein erhoben Einspruch, daß die Zionisten im Ramen der gesamten Fudenheit das Wort führen. — Im Laufe der Jahre haben der Zionismus und der Gedanke des Rationaljudentums in Deutschland nicht unerhebliche Fortschritte gemacht. Eine ganze Anzahl Männer und grauen aller Kreise haben immer wieder, durch die Wehrufe der osteuropäischen Juden aufgerüttelt, Anteil genommen an den rein charitatlven Bestrebungen des Zionismus, haben sie unterstützt und gefördert, und sind alsdann von einer rührigen Agitation immer fester in den Gedanken der völkischen Zusammengehörigkeit, den Gedanken des völkischen Charakters des Judentums, verstrickt worden. Meisterhaft versteht es der Zionismus, im gegebenen Moment die chariLativen Zwecke in den Vordergrund zu stellen. Zweifellos ist diese Wandlung vielfach begünstigt worden durch die Zurücksetzung, welche der einzelne an sich selbst erfahren oder auch bei anderen Juden erlebt hatte. Die Zahl der organisierten Zionisten Deutschlands ist, wie auf dem Posener Delegiertentage bekannt gegeben wurde, in dem Fahre 1910/1911 von 6200 auf 8400 gestiegen. Rimmt man auch an, daß darunter die in Deutschland lebenden ausländischen Zionisten mitgezählt sind, so ist die Zahl immerhin recht beachtenswert. Der Zionismus selbst hat Wandlungen durch gemacht, er hat sich den Verhältnissen, wie sie sich im Laufe der Zeit entwickelt haben, anzupassen gesucht. Man darf sagen, daß alle Zionisten Nationaljuden sind, während nicht alle Rationaljuden Zionisten sind. Die deutschen Zionisten wenigstens empfinden, nach Rosenblüth, die Annahme, sie waren nicht insgesamt Rationaljuden, als Beleidigung. Das Rationaljudentum ist der umfassendere Begriff. Die Anhänger des Rationaljudentums wollen die Juden der ganzen Erde zu einem Iudenvolke aufs neue zusammenschweißen, das Zionsprogramm der Zionisten nimmt nur einen kleinen Teil des Gedankenkreises ein. Der national-jüdische Gedanke spielt andererseits in dem Zionismus eine so weit überwiegende Rolle, daß für die folgenden Erörterungen Zionismus und Rationaljudentum gleichgesetzt werden können. Der charitative Teil der zionistischen Bestrebungen kann ob seiner Humanitären Eigenschaften ausschciden, wenngleich sie mehr