Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 4 (April 1913)
- Article
- Berlin
- Date
- 1913-04-01
- Page
- 170 (sequence 2)
- Language
- German
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170 Im deutsch«» Reich. — Anders als sonst in Menschenköpfen malt sich in de», antisemitischen Kopf des Herrn Theodor Fritsch die Weit; er sieht Dinge, die sonst kaum ein Verständiger sieht, denn in seinem von dem Freiherrn v. Wangenheim empfohlenen „Hammer" war am 1. März von den Juden gesagt: „Die maßgebenden Stellen in Justiz und Verwaltung gehen ebenfalls mehr und mehr in ihre Hände über; bei Hofe sind sie Licbkind und umgeben den Kaiser in so festgeschlossenem Ring, daß der alte Adel oder sonst noch jemand aus dem Volke kaum noch Gehör bei der Krone findet. Roch einige Jahrzehnte so weiter, und der künftige deutsche Kaiser wird eine I ü. din heiraten und zum Judentum übertreten; das deutsche Volk wird sich beschneiden lassen und in die Synagoge gehen." — stlnsers Wissen gibt es in maßgebenden Stellen der preußischen Justiz nur einen Juden, in der Verwaltung gar keinen; was den künftigen deutschen Kaiser betrifft, so ist er bereits verheiratet und das deutsche Volk in seiner weitaus größten Mehrheit so christlich gesinnt, daß es nicht einmal für den 'heidnischen Wodanskultus der Antisemiten zu gewinnen ist. — Unter der Ueberschrift „Treu e". sind in dem von der Großloge U.O.B.B. herausgegebcnen „Wegweiser für die Jugendliteratur" von I)r. phil. David Hartmann-Frankfurt a. M. aus Anlaß der Jahrhundertfeier der Befreiungskriege die Briefe veröffentlicht worden, in denen der Landwehr-Leutnant Obergerichtsrat Georg Heinrich Rindfleisch, der im Feldzuge 1870/71 Kompagnieführer im 56. Infanterie-Regiment war, das heldenmütige Verhalten eines treuen jüdischen Soldaten namens Abraham Löwen st ein in geradezu ergreifender Weise gerühmt hat. Löwenstein hatte bei ihm Burschendienste übernommen, bis eine feindliche Kugel seinem Leben aus dem Schlachtfelde von Iuranville ein Ende setzte. — In dem einen aus Artenay bei Orleans den 6. Dezember 1870 datierten Brief, der an den Bruder Löwensteins zu Hageü i. Wests, gerichtet war, schrieb der Obergerichtsrat: „Er hat mir während dieser ganzen schweren Zeit treu und aufopfernd zur Seite gestanden und dicht an meiner Seite hat ihn auch die tödlich: Kugel getroffen. Er bekam zuerst einen Schuß durch den Hals, und als ich ihm die Hand zum Abschied reichte und ihn sanft auf die Erde gleiten ließ, erhielt er eine zweite Kugel, gerade durch die Stirn, die ihn lautlos verscheiden machte. Friede seiner Asch! Es war ein treuer uird pflichtergebener Mensch wie wenige, und mein Schmerz um ihn ist aufrichtig und tief." — lieber das in Wronke in den letzten Wochen verbreitete Rituaimord-Märchen wurde uns von dort berichtet: „Der 13 jährige Sohn eines Vogtes aus Bakerode hatte sich am Dienstag, dem 4. Februar, in Wronke umhergetrieben.