Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 4 (April 1913)
- Article
- Berlin
- Date
- 1913-04-01
- Page
- 169 (sequence 1)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 169 Korrespondenzen. § Berlin, 23. März. Unter der Ueberschri.fi: „Un< glaublich!" hat das Zentrumsblatt „Germania" am 12. Februar in nachstehender Weise mit den Antisemiten abgerechnet, für die sie lange genug eine gewisse Zuneigung bekundet hatte, die mit den sonstigen Tendenzen des Zentrums schwer in Einklang zu bringen war: „Von befreundeter Seite ist uns der „Evangelische Gemeindebote der Diözese Gleiwitz" zugesandt worden, der über die angeblichen Anklagen des Zentrumsführers Windthor st gegen die Jesuiten sich verbreitet, unter Berufung auf das antisemitische, von Th. Fritsch herausgegebene Organ „Der Hammer", das sich eine „parteilose Zeitschrift für nationales Leben" nennt. Da wir dieses antisemitische Organ nicht halten und keinerlei Beziehungen zum Herausgeber desselben haben, sehen wir uns veranlaßt, auf diesem Wege auf diese durch Verwechslung der beiden parlamentarischen Träger des - Namens Windthorst (Eduard Windthorst-Bielefeld mit Dr. Ludwig Windthorst- Meppen) entstandene Fälschung hinzuweisen, gleichviel, ob diese Verwechslung aus böswilliger Absicht, oder aus polizeiwidriger Unkenntnis erfolgt ist. . . . Bezeichnend ist, daß ein antisemitisches Organ wie „Der Hammer" die unglaubliche falsche Mitteilung von einer Anklage des Abg. Dr. Windthorst- Mcppen gegen die Jesuiten verbreitet; und bezeichnend auch, daß dasselbe antisemitische Organ ein neueres Werk des Grafen Paul v. Hoensbroech empfehlend bespricht, obwohl ihm ein objektives Urteil darüber nicht möglich ist. Auch die antisemitische Staatsbürger-Zeitung in Berlin hat bekanntlich vor einiger Zeit sich lebhaft an der Iesuitenhetze beteiligt. Wir haben dem antisemitischen Organ darauf die Rede entgegengehalten, die der verstorbene Abg. Liebermann von Sonnenberg nach dem Bericht des Leipziger Tagesanzeiger 1891, Nr. 17, im Januar 1891 in einer großen Versammlung zu Leipzig gehalten hat, worin er sich für die Aufhebung des Iesuitengesetzes aus Gründen aussprach, die auch heute noch ihre volle Beweiskraft haben. Die Staatsbürger-Zeitung hat aber nicht den Mut gehabt, auch nur den von uns wiedergegebenen Abschnitt aus der Rede des Abg. Liebermann von Sonnenberg wiederzugeden. Das ist doch bezeichnend genug für den gegenwärtigen Antisemitismus und dessen „führende" Organe, zugleich aber auch sehr lehrreich für die Katholiken, die etwa diesem vulgären Antisemitismus noch irgendwelche Sympathie entgegenzubringen geneigt wären." — Wird die „Germania", nachdem sie diese Erfahrungen am eigenen Leibe gemacht hat, in Zukunft dem „gegenwärtigen Antisemitismus" nicht mehr ihre Spalten öffnen?