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Im deutschen Reich · 1913-04-01 · Heft 4 (April 1913) · p. 167

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 4 (April 1913)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1913-04-01
Page
167 (sequence 7)
Language
German
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Umschau. 1-.7 ju verleugnen gilt. Aufs „rassereine" Herz, aufs „rassereine“ Hirn kommt's an, ihr Herren Mückenseiger! Auf die Wahrheit des Aeußern und des Innern!" — Von der Erkenntnis, -aß die den „Alldeutschen" so nahestehenden, radikalen Antisemiten -vielfach physisch sich als „Mischlinge" erweisen, ist nur noch ein Schritt bis zu der Wahrnehmung, daß, wenn es nur auf die Wahrheit des Innern ankommt, kein Zusammenschluß der sich „deu tsch-vö llisch" nennenden Antisemiten dem deutschen Vaterland jene Sicherheit gegen die Angriffe von außen bieten kann, die der feste Zusammenschluß aller vaterlandliebenden Bürger bietet. Als vor hundert Jahren in der größten Bedrängnis der „Aufruf an mein Volk" erging, da folgten nicht nur die blonden und blauäugigen Recken diesem Ruf — nein, alle, alle kamen, die das Herz, wenn auch nicht rasserein, aber auf dem rechten Fleck hatten. And als vor mehr als vierzig Jahren die Division Kummer vom 5. preußischen Armeekorps vor Metz für Deutschlands Ehre stritt und litt, waren unter diesen wackeren Streitern so viele Juden, daß man ihnen gestattete, am Dersöhnungstage einen jüdischen Gottesdienst abzuhalten. Damals gab es weder Antisemitismus im Heere noch «ine Ostrnarken-Politik, bei der wie heute das Verhalten mancher mit der „Germanssation" betrauten Organe die Polen gegen die Juden aufreizt, ohne diesen für ihren deutschen Patriotismus Anerkennung 511 zollen. Die „alldeutschen" Beamten, denen das „Germanisieren" anvertraut wird, werden in den Ostmarken zumeist nicht bodenständig, aber selbst in der kurzen Zeit, in der sie dort verweilen, behandeln sie trotz der treudeutschen Gesninung der Juden diese als Richtdeutsche und schaffen dadurch in den vstmarken eine politische Teilung in drei Kategorien, „Deutsche, Juden und Polen". Die Kreuz»Zeitung" hat in ihrer Nummer vom 7. März, anknüpfend an einen Bericht über eine Centralvereins-Versammlung, den Juden vorgeworfen, daß sie zum einzigen Maßstab ihrer Stellungnahme zu den Parteien deren Haltung zum Judentum machen; lediglich hierüber seien sie geteilter Ansicht. Den Parteien gegenüber, die ihre jüdischen Mitbürger nicht als gleichberechtigt anerkennen wollen, müssen sie, eben weil sie charaktervolle Deutsche sind und bleiben wollen, sich unbedingt ablehnend verhalten. In dem Konservativen Kalender für 1913, herausgegeben vom Hauptverein der deutsch-konservativen Partei, wird bei einer Polemik gegen die liberale Presse schlankweg behauptet, daß sich in dieser der „jüdische Geist" breit mache, daß den Zeitungsjuden nichts heilig sei. Solange die konservative Partei solchen Vorurteilen huldigt, ist sie in unseren Augen undeutsch.

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