Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 4 (April 1913)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1913-04-01
- Page
- 166 (sequence 6)
- Language
- German
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166 Im deutjchen Reich. fahr durch das Judentum, werden einsichtige, wahrhaft vaterlandsliebende deutsche Männer in solchen Aufreizungen nichts anderes erblicken als „die höchste Gefahr für das gesamte Volk" durch Zersplitterung in einer Zeit, in der „F e i n d e ringsum" daraus den Schluß ziehen könnten, daß nicht alle deutschen Bürger einträchtig zusammenstehen, sondern daß heftige Streitigkeiten und erbitterte Religions» und Rassenkämpfe äußere Angriffe erleichtern. Die traurigen Wirkungen, die solche Aufrufe zum Kampfe gegen das Judentum auf die in den deutschvölkischen Vereinen stark vertretene Jugend haben können, sollten nicht unterschätzt werden.. Die deutsche Jugend ist die Zukunft des deutschen Volkes; wer sie mit unfern Zuständen unzufrieden macht, ihren Sinn von der Verteidigung des Vaterlandes gegen äußere Feinde. ablenkt, um durch Aufreizung gegen den jüdischen Bruchteil der deutschen Bevölkerung lediglich den weiteren Niedergang einer kulturwidrigen Bewegung zu hemmen und ihre Organe über Wasser zu halten, der ladet eine Verantwortung auf sich, der sich besonders die Jugend» erzieh er, von denen sich viele zurzeit noch zu dem alldeutschen Programm bekennen sollen, nicht entziehen dürfen. Aus diesem Grunde erklärt es sich hinreichend, daß die Widersprüche, in denen sich die judenfetndlichen Alldeutschen bewegen, und die trüben Aussichten auf einen Weltkrieg, in den der undeutsche „Chauvinismus" das Vaterland zu verwickeln droht, selbst Rassenfanatiker ernüchtert. In einem Artikel „Rasseherz und Rassehirn" berichtet jetzt Wilhelm Schwaner in der Zeitschrift „Der Volkserzieher", es sei ihm in letzter Zeit von den unentwegten Fanatikern der Farbe vorgeworfen worden, seine Farbe schnöde gewechselt und in einem Artikel „Blaugold" die wundervolle Mystik aufgegeben zu haben, „die das entartende Volk wieder aufwärts zieht, zurück zum Berge schaffender, rassiger Kraft". „Es hat mich am nachdenklichsten gestimmt," sagt Schwaner, „daß im lautesten Kampf für das Blaublond meiner Raffe fast lauter — Mischlinge stehen, Menschen, die weder blau noch blond, die weder hochgewachsen noch kängschädelig, Menschen, die selbst noch auf dem Wege „nach oben" sind, und die mit ihrem rasenden' Fanatismus nicht bloß die Ausgleichenden von der körpersichen Struktur Luthers und Goethes abstoßen, sondern auch die Reinrassigen vom alten Schwertadel und vom ebenso guten Bürger-und Bauernadel. Bekanntlich sind die tollsten Antisemiten in der Regel da zu finden, w o es «twaS im eigenen Blute zu bekämpfen oder