Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 4 (April 1913)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1913-04-01
- Page
- 168 (sequence 8)
- Language
- German
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168 Im deutschen Reich. und sind wir ausnahmslos bessere Deutsche, die, wenn es das Wohl des Vaterlandes gilt, beweisen werden, niemals geteilter Ansicht sind und niemals besondere Interessen geltend machen. Die deutschen Juden werden, wie vor hundert Jahren An° zählige, niemals hinter ihren christlichen Kameraden zurück, stehen. Sie werden wie damals kein Opfer an Gut und Blut scheuen, obgleich sie keine Aussicht haben, dadurch „jüdische Interessen" zu fördern und, ohne sich taufen zu lassen, Offiziere zu werden. Nur ein einziger jüdischer Offizier, Burg, der 1813 freiwillig in die Garde-Artillerie eintrat, konnte auf besondere Veranlassung des Prinzen August, des Chefs der Artillerie, als Juda bei dieser Wlafse verbleiben, weil es, nach der Meinung des Prinzen, „im Dienste fürs Vaterland nicht auf die Religion ankäme." Man ließ ihn aber auch deshalb unbehelligt, weil man, wie es in einem königlichen Schreiben hieß, „hoffte, daß Major Burg doch noch den Weg des Heils finden werde". Uns gilt das Prinzenwort: „Im Dienste fürs Vaterland kommt es nicht auf die Religion an", ebensowenig aber auf die Partei! Darin unterscheiden sich die jüdischen Bürger Deutschlands wesentlich von den Politikern, die selbst im Sturm und Drang die politischen Grundsätze und Ziele ihrer Partei als etwas darstellen, wovon das Wohl von Polk und Vaterland abhängt, statt alles zu vermeiden, was den Anschein erwecken muß, daß man die Partei höher schätzt als das Vaterland. W i r sind stolz darauf, daß die Juden, die im Centralverein ihre Vertretung sehen, soweit in den Organismus unseres Staatslebens wirklich hineingewachsen sind, daß sie stets eine andere Auffassung des politischen Problems bekunden als eine engherzige parteipolitische, daß sie vielmehr nach freier Ueber» zeugung sich ohne andere Rücksichten als die, welche ihre Mannesehre und ihre Ueherzeugung ihnen auferlegen, ihre politische Fraktion wählen. Sie werden sich auch in dieser stets ehrenvoll betätigen, unbekümmert um Religions-, Klassen- und Rassenhaß, frei von Vorurteilen, immer fremde Aeberzeugungen achtend, aber entschlossen, die eigenen kraftvoll zu verteidigen und um einen Strohhalm zu fechten, wenn unsere Ehre, unsere Religion und unsere Zugehörigkeit zu unserem deutschen Vaterlande auf dem Spiele steht! A. L. *