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Im deutschen Reich · 1913-04-01 · Heft 4 (April 1913) · p. 165

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 4 (April 1913)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1913-04-01
Page
165 (sequence 5)
Language
German
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Umschau. 165 litzsch von Juden abstammejetzt schreibt der antisemitische „Reichsbote": „Dies wurde vielfach als Märchen erzählt, aber er hatte einen jüdischen Paten, den Antiquar Hirsch» den er als Knabe Onkel nannte , und noch als Greis als seinen Wohltäter bezeichnete. Da die Eltern in ärmlichen Verhältnissen lebten» würde es ohne die Unterstützung dieses jüdischen Paten dem jungen Delitzsch nicht möglich gewesen sein» die höhere Schule zu besuchen." Jedenfalls hat er die „Mission in Israel" von weit höheren Gesichtspunkten aufgefaßt» als die vom Judentum abgefallenen Missionare Frank, Rudnitzky, Wallfisch u. a. m. Er hat auch, eingedenk des christlichen Ausspruchs „Das Heil kommt von den Juden", frühzeitig erkannt» daß der Rassenantisemitismus das Christentum weit mehr schädigt als das Judentum» weil er schwankenden Gemütern beständig Beweise dafür liefert» daß durch Uebertritt aus rein materiellen Gründen nicht einmal die vollständige gesellschaftliche Gleichstellung erzielt werden kann. So weit sich die konservative Partei zu den Grundsätzen bekennt, welche die „Kreuz-Zeitung" und der „Reichsbote" vertreten, steht die Partei auf dem positiv-religiösen Standpunkt, auf dem einst Franz Delitzsch stand. Damit ist aber der Rassenantisemitismus schlechterdings unvereinbar» der von keiner Weltreligion etwas wissen will, sondern, von einer engherzigen» falschen Auffassung des Nationalprinzips ausgehend» notwendig nicht nur zu einem politisch gefährlichen Chauvinismus, sondern auch zum altgermanischen Heidentum zurückführen muß und Ln seinem Einfluß auf einen großen Teil der leicht empfänglichen Jugend schon zurückgeführt hat. Gerade jetzt, in einer Zeit» in der die Erinnerung an die große Zeit der Befreiungskriege und die vaterländische, opferfreudige Begeisterung wieder lebendig wird» ist es von höchster Bedeutung, die Jugenderziehung vor solchen Einflüssen zu bewahren, die verrohend wirken» und sie zu lehren, daß in den Zeiten der Bedrängnis nur der Gemeinsinn und der Geist der Brüderlichkeit aller Bürger, gleichviel welcher Abstammung sie sind, einen festen Schutz gewähren. Wenn am 5. Marz in einer Berliner Versammlung des Deutschen Antisemiten-Bundes unter der Losung „UnserVolk in höchster Gefahr" der Zusammenschluß von 21 deutsch-völkischen, antisemitischen vereinen durch Ansprachen der Herren Karl Perrot, Lehrer Holz und Rechtsanwalt Alrich vorbereitet wurde, die sich nicht etwa gegen ausländische Feinde richten, sondern gegen die erträumte Ge-

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