Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 4 (April 1913)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1913-04-01
- Page
- 163 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. 163 Landwirte und ein flüchtiger Hinweis auf den äußeren Feind vor hundert Jahren, wobei eine bestimmte Zusage, in welcher Weise der Bund seine Bereitwilligkeit zur Stärkung der deutschen Wehrkraft betätigen werde, vollständig fehlte. Erst als Freiherr von Wangenheim den Aebergang von dem äußeren Feind auf den „inneren Feind" gefunden und als diesen neben den Sozialdemokraten die Juden hingestellt hatte, fand die Versammlung die Hep-Hep°Stimmung wieder und brach in Jubel aus. Wie wenig die rednerischen Leistungen der drei Referenten, der Herren vr. Rö ficke, Diederich Hahn und v. Oldenburg-Januschau, bedeuteten, erhellt aus dem Bericht des nationalliberalen „Leipziger Tageblatt", der besagt: Wenn man rückschauend die Redner Revue passieren läßt und sich fragt: „Was haben die Herren denn nun eigentlich gesagt?" dann kommt man immer wieder nur auf das trübselige Dreierlei: Es ist auf die Juden, die Sozialdemokraten und Herrn Delbrück geschimpft worden. Und weil das doch ein bißchen viel war, selbst für gesunde und ausgeruhte Nerven, geschah wie von selbst, daß sich der Korona etwas wie eine Ulkstimmung bemächtigte. Man hat sich zwar zweimal erhoben und in machtvoll anschwellendem Ehor Lieder angestimmt: „Heil dir im Siegerkranz", „Deutschland, Deutschland über alles"; aber so recht feierlich ist es trotzdem nicht geworden. Das immer wiederkehrende Wort „Jude" zerriß allemal die Stimmung. Denn man muß es wissen: das bedeutet dem Landbündler vom echten Schrot und Korn schlechthin das unendlich Lächerliche." Die „Nationalliberale Korrespondenz" äußert sich über den Eindruck der Versammlung wie folgt: „Die ganze Kundgebung, zu der 7000 Personen aufgeboten waren, verlief außerordentlich matt; ein schlechtes Zeichen für ein« Vereinigung von Landwirten in einer Zeit, da die deutsche Landwirtschaft vor großen nationalen Aufgaben steht." Ob die Gutsbesitzer schon vor der kaiserlichen Rede die Vorzüglichkeit des Petkuser Roggens gekannt haben oder nicht, ist wirklich von geringer Bedeutung; viel eindringlichere Fragen als diese und viel ernstere als die selbst von den sächsischen Reformern als nicht mehr zeitgemäß und für eine politische Partei förderlich betrachtete Schimpferei und Verhöhnung der Juden blieben unberührt, so u. a. die Notwendigkeit, die deutsche Landwirtschaft so leistungsfähig zu machen, daß nicht mehr ungezählte Millionen für landwirtschaftliche Erzeugnisse ins Ausland gehen müssen, weil die inländische Produktion nicht mehr ausreicht oder zu teuer ist, ferner Mittel und Wege zu finden, die Arbeitskräfte zu ersehen, die in nächster Zeit durch die bedeutende Vergrößerung der Zahl der Landesverteidiger der Landwirtschaft entzogen werden.