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Im deutschen Reich · 1913-04-01 · Heft 4 (April 1913) · p. 162

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 4 (April 1913)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1913-04-01
Page
162 (sequence 2)
Language
German
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162 Im deutsche» Reich. Antisemiten das .Tischtuch zu zerschneiden, lenkte die „Staatsbürger-Zeitung" sofort demütig ein und erklärte, daß sie ihren Schriftleiter, Ludwig Kühl, wegen der „von ihm trotz eindringlicher Verwarnung" gegen den Geschäftsleiter der „Kreuzzeitung" gerichteten Angriffe entlassen habe und ihre Spalten Herrn Schröter zur Verfügung stelle. Gleichzeitig versicherte der Liquidator der „Staatsbürger-Zeitung", daß diese trotz der bedauerlichen Vorkommnisse weiterhin die Interessen der konservativen Partei vertreten werde. Darauf dürfte diese Partei gern verzichten, weil die „Staatsbürger-Zeitung", um nicht den letzten Liest ihres Anhangs zu verlieren, gezwungen ist, an dem radikalen Rassenantisemitismus festzuhalten, der mit den Tendenzen der monarchisch und kirchlich gesinnten Konservativen im schärfsten Widerspruch steht. Die „Magdeburger Zeitung" hatte nicht ohne Grund betont, daß der Tod Liebermonas der antisemitischen Gesellschaft den eigentlichen Stützpunkt genommen habe. Wenn die „Staatsbürger-Zeitung" auf die Vorgänge in der letzten Generalversammlung des B u n - des der Landwirte verwiesen hat, um diese Behauptung zu entkräften, den Zusammenbruch des politischen Antisemitismus zu bestreiten und sogar einen Aufstieg dieser Bewegung vorauszusagen, macht dies nicht, wie sie sagt, den Eindruck einer „Fanfare", sondern den der „Chamade" des „radikalen" Antisemitismus. Wenn zwei das gleiche tun, ist es eben niemals dasselbe. Gewiß, es ist in der von 7000 Personen besuchten agrarischen Zirkusversammlung vom 17. Februar von dem Fniherrn v. Wangenheim, dem Wortführer des „Bundes der Landwirte", nicht nur von dem vergiftenden Einfluß der Sozialdemokratie gesprochen und deren Bekämpfung als unerläßlich hlngestellt, sondern auch dem Judentum, das sich als fremdes Element im.deutschen Volke eingenistet habe, eine verhängnisvolle Rolle zugeschrieben worden. Es ist verwunderlich, daß diese antisemitischen Redewendungen noch zündend wirken konnten; denn selbst auf die empfänglichen Sinne ländlicher Versammlungsteilnehmer müßte es doch ermüdend wirken, immer wieder die Ausführungen zu hören, die keine 'Abwechselung bieten und nur deutlich zeigen, daß die inzwischen recht gealterten Redner nicht mehr fähig sind, neue und zutreffende Gedanken zum Ausdruck zu bringen. Die Frage der Kolonisation und die Landwirtschastsrede des Kaisers hätten sicher einen anregenderen Stoff zu Auseinandersetzungen gegeben als die Klagen des Freiherrn d. Wangen- Heim über die zeitweisen Zollerleichterungen, als eine ziemlich kurze Huldigung für den kaiserlichen Berussgenossen der

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