Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 4 (April 1913)
- Article
- Sanitätsrat Stilles "Kampf gegen das Judentum"
- Date
- 1913-04-01
- Page
- 155 (sequence 11)
- Language
- German
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SanitutSeat Stilles ..Kanrps gegen das Judentum". 155 mit der bei Rassenantisemiten nicht seltenen Verblendung entschuldigen. Im Mißverstehen leistet Dr. Stille in seinem Buche noch weiter Erstaunliches, so die Verkennung des opferfreudigen Strebens der Juden, ihren Kindern eine höhere Schulbildung zu verschaffen, ferner sein Wunsch, jüdischen Ausländern die Hörsale unserer Universitäten gänzlich zu verschließen und die russischen Studenten jüdischer Religion über die Grenze zu schaffen. Auch seine Auslassungen über die von Iustizrat B. Breslauer verfaßte Denkschrift über „die Zu r ückse tzu n g der Juden an den deutschen Universitäten" sowie Stilles Aeußerungen über die hohe Zahl, in der die Juden an deutschen Universitäten, im AnwalLsstande und im ärztlichen Berufe vertreten sind, sind für ihn kennzeichnend. Daß er den Grund dieser Ueberfüllung, die nahezu vollständige Ausschließung der Juden von andern akademischen Berufen, verschweigt, ist bei ihm ebenso selbstverständlich, wie daß er dabei das „russische Institut für medizinische Konsultation" erwähnt und die längst widerlegten antisemitischen Behauptungen über angeblich -von jüdischen Aerzten gezahlte Provisionen für Patientenzuweisung in gehässiger Weise wiederholt. Die Trefflichkeit des deutschen Offizierkorps ist jedenfalls eine vorzügliche Bürgschaft für die Sicherheit des Reichs. Stille sagt, als Ganzes betrachtet, komme unserm Offizierkorps kein anderer Stand gleich, mit Ausnahme der christlichen Geistlichkeit, deren Bedeutung seiner Meinung nach in unserer glaubenslosen Zeit viel eingebüßt hat. Er fügt aber noch die unbegründete Behauptung hinzu, jüdischer Geist und jüdische Moral habe in jeden andern Stand sich eingedrängt und damit sei „ein Sinken des sittlichen Niveaus eingetreten, von dem unsere Offizierkorps bis jetzt bewahrt geblieben sind." Die Macht der Juden sei in den letzten Zeiten so groß, geworden, daß sie jetzt ihren Eintritt in das Offizierkorps erzwingen zu können glauben. Er fürchtet deshalb, daß die Regierung der Iudenmacht nicht lange mehr Widerstand leisten' wird und erklärt als Warnung vor solcher Schwache, „der preußische Leutnant ist die beste Verkörperung ritterlicher Männlichkeit, die die Erde jetzt aufzuweisen hat". In den studentischen Verbindungen, die keine Juden zulassen oder ihnen direkt entgegentreten, seien aber auch idea le Vertreter alter guter Charaktereigenschaften zu erblicken. Das nächste Kapitel, dem als Motto die falsche liebersehung einer Talmuvstelle vorangesteltt ist» enthält fast nur Auseinandersetzungen, die darauf abzielen, die Wahrheit zu entkräften, daß die Stellung der Iudenfrage den Grad-