Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 4 (April 1913)
- Article
- Sanitätsrat Stilles "Kampf gegen das Judentum"
- Date
- 1913-04-01
- Page
- 154 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316829-2316833-2347081--23427-2347116- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
154 Im deutschen Reich. gar nicht vorhanden; denn die jüdischen Besitzer einzelner liberaler Tageszeitungen lassen ausnahmslos ihren christlichen oder religionslosen Redakteuren völlig freie Hand; mit Herrn I)r. Stille deshalb abzurechnen, werden sie aber wohl unter ihrer Würde halten. Was er von dem traditionellen Haß der Iudengegen die „katholische Kirche" faselt, entspricht in keiner Weise den Tatsachen. „Daß es gut ist, unter dem Krummstab zu wohnen", ist eine unter den Juden viel verbreitete Meinung. Stilles Behauptung, daß katholische Gegenstände religiöser Verehrung von Juden „Götzenbilder" genannt werden, rührt, wie er schreibt, von einer wörtlichen liebersetzung Eckers her, der bekanntlich dem getauften Juden Brimann auch noch andern Unsinn geglaubt hat. Die Juden haben dafür nach richtiger Uebersetzung nur den Ausdruck „fremder Gottesdienst". Die Entrüstung Stilles über das „unqualifizierte Auftreten der Iudenschaft gegen den trefflichen Stöcker" lassen wir unbeachtet. Den lebenden Gegnern gegenüber handeln wir nach dem Grundsatz „die beste Abwehr ist der Hieb", aber über Gräber hinaus hegen wir nicht Haß und Zorn. An das Komische grenzt es, daß Stille den Juden Intoleranz vorwirft, weil sie besondere Friedhöfe verlangen, damit die Gräber ihrer dahingeschiedenen Lieben nicht schon nach wenigen Jahren neu eingelöst werden müssen oder zerstört werden, um für andere Leichen Platz zu schaffen. Das von Jean Jacques Rousseau entlehnte Wort Dührings: „Wofür es keine Duldung geben darf, das ist die Unduldsamkeit selbst," hätte Jean Jacques Rousseau mit Glutbuchstaben den Antisemiten ins Stammbuch geschrieben — keines-, wegs den sein Andenken segnenden Juden! Als ein für die angebliche „Herrschaft der Juden" sehr bezeichnendes Vorkommnis schildert I)r. Stille die wahrlich kein Ruhmesblatt einer Krankenhausverwaltung bedeutende Britzer Medizinalpraktikantenaffäre, die zur Verwunderung des Wortführers der Deutsch-Sozialen den preußischen Kultusminister veranlaßt hat, der Aerztekammer den Bescheid zu erteilen, daß er die Zurückweisung jüdischer Praktikanten von Krankenhäusern, die keinen konfessionellen Charakter tragen, mißbillige. Die an den Sanitätsrat Dr. Wiesenthal, der als Mitglied der Brandenburgischen Aerztekammer sich über die Zurücksetzungen jüdischer Praktikanten beklagt hat, von Stille gerichtete widersinnige Frage, ob er nicht wisse, daß die Ablehnung solcher Praktikanten nie mal s daS gering stemit dem Religionsunterricht zu tun habe, verdient keine Antwort. Derartige Entgleisungen lassen sich nicht einmal