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Im deutschen Reich · 1913-04-01 · Heft 4 (April 1913) · p. 151

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 4 (April 1913)
Article
Sanitätsrat Stilles "Kampf gegen das Judentum"
Date
1913-04-01
Page
151 (sequence 7)
Language
German
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Sanitätsrat Stilles „Kampf gegen das Judentum". 151 was die Antisemiten und ihre auf das Tivoli-Programm festgelegten konservativen Gönner unter Vaterlandsliebe verstehen, werden aber manchen vielleicht schon in der allernächsten Zeit die Augen ausgehend wenn man von diesen Leuten für Heereszwecke Opfer aus der eigenen Tasche verlangen wird. In bezug auf das Thema der Mischehen, der Assimilation, des Rückganges der jüdischen Geburtszahl trägt Herr Dr. Stille zwar keine Bedenken, sich die statistischen Angaben des jüdischen Forschers Dr. Theilhalber zu eigen zu machen, aber er hütet sich wohl, auf die Ursachen, der bedauerlichen Mißstände zurückzugehen. Er hätte sonst zugeben müssen, daß diese Mißstände hauptsächlich auf die Verschlechterung des Fortkommens bei den Juden und auf die beständigen antisemitischen Boykottierungen zurückzusühren sind, die den Juden die Begründung eines eigenen Hausstandes wirtschaftlich und moralisch erschweren. Die Zahl der unehelichen Geburten vermehrt sich bei den Juden wie bei den Christen aus beklagenswerten Gründen. Daß eine Mehrzahl der jüngeren Juden mit Christinnen in „freier Liebe" lebt, wird aber vr. Stille schwerlich beweisen können. Peccatur intra muros et extraI Erinnert sei z. B. an das Verhältnis des Kreuz-Zeitungs-Redakteurs v. Hammer st ein zu dem Frl. Flora Gaß, die das treffende Wort geprägt hat: „Ihr (d. h. v. Hammerstein und seine Genossen) seid doch alle Komödianten I" Daß Fürst Bismarck sich gestattet hat, über die Rassenmischung anderen Anschauungen zu huldigen als Dr. Stille, beklagt dieser, verzeiht es aber mit Rücksicht darauf, daß die Söhne des großen Mannes mehr „germanischen Rassen« instinkt gehabt hätten". Das aber trägt er ihm nach, daß nach einem Bericht des Antisemiten G lag au (im „Kulturkämpfer") der rumänische Minister Borescu, der die Aufhebung der gegen die Iudenbedrückungen in Rumänien gerichteten Beschlüsse des Berliner Kongresses erzwingen wollte, im Auswärtigen Amt sehr kühl ausgenommen und mit der Antwort abgefertigt wurde: „An Deutschland könne sich Rumänien einen starken, mächtigen und aufrichtigen Freund und Beschützer, aber auch einen erbitterten unversöhnlichen Feind erwerben, je nachdem es den Bestimmungen des Berliner Vertrages Nachkomme oder nicht". Allerdings scheinen diese Sätze nach dem Ausspruch Shakespeares „words, mere words, no matter of the heartl“ gewesen zu sein; denn seitdem sind fast 35 Jahre vergangen, ohne daß die Rumänen jenen Bestimmungen nachgekommen sind. Don den Großmächten wurde es sogar stillschweigend geduldet, daß die rumänische» Juden unter .Srerndenrecht" gestellt wurden, und es ist nur geringe Hoffnung vorhanden, daß die Juden in den von Bulgarien an Rumänien abzutretenden Landstrichen vor dem Elend

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