Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 4 (April 1913)
- Article
- Sanitätsrat Stilles "Kampf gegen das Judentum"
- Date
- 1913-04-01
- Page
- 150 (sequence 6)
- Language
- German
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150 Im deutschen Reich, die damals nur als eine jüdische Sekte geltenden Christen bei den Römern mißliebiger waren als die Inden, von denen wenigstens einzelne, wie Agrippa, Iosephus u. a. m. respektiert wurden. Richard Wagner gereicht seine antisemitische Schrift „Die Juden in der Musik" nicht zur Ehre, da er dadurch sich Meyerbeer gegenüber einer großen Undankbarkeit schuldig machte. In der „Zukunft" vom 22. Februar dieses Jahres verweist übrigens Emil Ludwig auf folgende Aeußerung Chamberlains: '„Die ganze Hetze gegen Wagner fand üur bei den schlechten Elementen des eigentlichen Judentums Unterstützung und war nichts anderes als eine Verschwörung der Talentlosen und Mittelmäßigen jeder Konfession gegen das Genie." Ludwig fügt hinzu: „Uebrigens waren seine bedeutendsten Feinde Christen: Hanslick, Lübcke." Wie Dingelstedt, an Erfahrungen gereift, den Antisemiten abstreifte, hat auch Wagner sich mit den Juden, die sein Genie vorurteilslos anerkannten und ihn förderten, völlig ausgesöhnt; er hat den Hoskapellmeister Hermann Levi als einen seiner ersten Mitarbeiter geschätzt und dabei offenbar nicht mehr an den von Stille zitierten Satz gedacht: „Wir wünschen mit einem so aussehenden Menschen nichts gemein zu haben." Aehnlich verhält es sich mit einer von Stille wie von anderen antisemitischen Schriftstellern hervorgehobenen heftigen Aeußerung Napoleons über einzelne Juden, die sein Mißfallen erregt hatten. Das verschweigt aber Stille, daß sich Napoleon im übrigen stets als ein Wohltäter der Juden erwies, indem er die von der Republik auf Anregung Mirabeaus und und Gregoires proklamierten „Menschen» und Bürgerrechte" praktisch durchführte und durch eine jüdische Notabeln-Versammlung, das Synhedrium, die letzten Bedenken gegen die Gleichberechtigung der Juden zu beseitigen suchte. In der Armee pflegte Napoleon wie Wallenstein „nach dem Katechismus nicht zu fragen"; getaufte und ungetaufte Juden gelangten durch ihn zu hohen Ehrenstellen. Herr vr. Stille bezweifelt die Vaterlandsliebe der deutschen Juden und meint, daß, wenn Deutschland in dem bevo rstehenden Riesenkampfe unterliegen sollte, manchem die Augen aufgehen würden über das, was die Juden unter Vaterlandsliebe verstehen. Wenn man darüber die Augen 1813 und später ausgemacht haben würde, dann hätte man den Juden, die während der französischen Okkupation die größten Freiheiten hatten, diese nach den deutschen Siegen nicht wieder eingeschränkt. Was ihnen durch das Edikt von 1812 zugssichert war, wurde durch die späteren Verordnungen mindestens teilweise zurückgenommen; trotzdem blieb ihre -Opfer- Willigkeit und ihre Vaterlandsliebe unverändert. Aeber das,