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Im deutschen Reich · 1913-04-01 · Heft 4 (April 1913) · p. 149

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 4 (April 1913)
Article
Sanitätsrat Stilles "Kampf gegen das Judentum"
Date
1913-04-01
Page
149 (sequence 5)
Language
German
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Sanitätsrat Stilles „Kampf gegen das Judentum". 149 er bei dem Moskauer Aerztekongreß und später im Abgcordnetenhause im Kampf gegen Stöcker 1880 sich scharf gegen jede Unduldsamkeit äußerte. Stilles Angaben dev schriftstellerischen Quellen, die er im übrigen zu seinem Werk „Der Kampf gegen das Judentum" benutzt hat, erklären es aber hinreichend, daß er in keinem Kapitel zu einem ungetrübten Urteil gelangt ist. "21113 dieser langen Liste erhellt, daß er seine Weisheit nur aus judenfeindlichen Quellen geschöpft hat und dabei nach und nach Glagaus „Kulturkämpfer", die '„Brennenden Fragen" von Theodor Fritsch und Bartels „Rasse" 'benutzt hat und zuletzt bis auf Daniel Frymanns „Wenn ich der Kaiser war'" heruntergekommen ist. Das Frhmannsche Buch nennt er „freimütig und tapfer", obgleich der Verfasser nicht einmal soviel Freimut und Tapferkeit besessen hat, sich mit seinem wahren Namen zw seiner 2lrbeit zu bekennen. Im ersten Kapitel der Stilleschen Schrift wird versichert, die Juden, die seit zwei Jahrtausenden unter den Völkern zerstreut leben, 'hätten bis auf den heutigen Tag ihre Rasse in völliger Reinheit bewahrt und ihre Charaktereigen» schaften in ihrer ursprünglichen Beschaffenheit erhalten. Wie sie das in der Zerstreuung möglich gemacht haben, wird selbst den tüchtigsten Historikern und Anthropologen ein Rätsel sein, steht äuch mit den wissenschaftlichen Forschungen von Rich. Andree, Zollschan, Luschan u. a. m. im entschiedensten Widerspruch. Or. Stille, der von Anthropologie ebensoviel zu verstehen scheint wie von objektiver Geschichtsforschung, weiß das natürlich besser und schwört auf Chamberlain und ähnliche Autoritäten. Er scheint aber HoustonStewartChamb e r l a i n s „Grundlagen des 19. Jahrhunderts" doch nur flüchtig gelesen zu haben, sonst hätte er darin den für die Antisemiten nicht gerade schmeichelhaften Ausspruch gefunden: „Ich mag auch sie nicht, diese neuesten Spekulanten in Idealismus, die Antisemiten, welche heute ihre Augen christlich-arischbiedermännisch verdrehen und durch einen, jede Geduld erschöpfenden Mißbrauch des wohlfeilsten Agitationsmittels, der moralischen Attutüde, alle Hornviehelemente des Volkes aufzuregen suchen." Seinen Seneca und Ta» citus hat Stille aber noch aus der Gymnasialzeit ziemlich im Gedächtnis, wenn es ihm auch unbekannt ist, daß nc. . den Annalen des Tacitus der Kaiser Nero die de» damaligen Römern gleichmäßig verdächtigen Christen und Juden ohne Unterschied als Urheber des von ihm selbst herrührenden Brandes der Stadt Rom unter Martern hinrichten ließ. Stille weiß auch nicht, daß Tacitus und Cicero nicht die Juden, sondern jener römische Senatoren, dieser Brutus den Jüngeren, des Wuchers, beschuldigt haben. Ebenso unbekannt ist ihm, haß

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