Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 4 (April 1913)
- Article
- Sanitätsrat Stilles "Kampf gegen das Judentum"
- Date
- 1913-04-01
- Page
- 147 (sequence 3)
- Language
- German
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Sanitätsrat Stilles „Kampf gegen das Judentum". 147 aus Fanatismus, teils aus politischen oder geschäftlichen Gründen immer wieder von neuem aufnehmen. Da gilt es, fest zusammenzustehen und alle inneren Zwistigkeiten oder nicht ganz zu beseitigende Meinungsverschiedenheiten zu unterdrücken und eine Phalanx zu bilden für Recht und Wahrheit gegen Tücke und blöden Haß, für Licht, Glanbenstreue und Vaterlandsliebe gegen Dunkelmänner, Wotansanbeter und Fortpflanzer der „Schmach des Jahrhunderts". Auf dem Titelblatt der im Verlage der „Deutsch-nationalen Buchhandlung" in Hamburg erschienenen 8. Auflage des Stilleschen Buches sind in geschmackloser Weise zwanzig brennende Lichter gemalt; wir möchten zum Zweck der erforderlichen Aufklärung noch ein Licht, nämlich das Licht der Wahrheit, anstecken, soweit dies im engen Raum eines kurzen Artikels möglich ist. Gleich am Eingang der Stilleschen „Finsternis" steht die nur den Antisemiten wertvolle poetische Jugendsünde Franz Dingelstedts, die er verbrochen hat, als er noch „kosmopolitischer Nachtwächter", und bevor er württembergischer Hofrat und bayrischer Hofintendant war, nämlich die Strophe jenes Gedichtes, das mit den Worten schließt: „Wohin ihr faßh ihr werdet Juden fassen; geht, sperrt sie wieder in die engen GassenI" Als reifer Mann stand Dingelstedt auf einem völlig andern Standpunkt; denn er schuf im Jahre 1849 am 100. Geburtstag Goethes eine judenfreundltche Apotheose, in der er, vom Wahn bekehrt, sagte: ,ßa quoll die Morgenröte durchs Fenster voll und warm, Und jubelnd rief es: GoetheundBörne Arm in Arm. Der großen Doppelsendung, die so verschieden war, Versöhnung und Vollendung, im Traume sah ich klar!". Zu dieser von Dingelstedt gewonnenen ehrenvollen Klarheit ist Dr. Stille noch heute nicht gelangt; denn in dem Vorwort seiner Schrift behauptet er von den Juden: „Wer noch an ihrer Beherrschung der wichtigsten Seiten unseres Volkslebens zweifelt, der beweist, daß er sich von den jüdischen Stimmen hat betäuben lassen!" Dann prophezeit er drohend: .Me deutsch-völkischen Kreise werden der jüdischen Herrschaft ein Ende machen; wenn sie auf friedlichem Wege nicht zum Ziele gelangen, durch offenen Kampf. Gelingt es nicht, das Joch ohne Anwendung von Gewalt abzuschütteln, so treiben wir unaufhaltsam dem Bürgerkriege entgegen." Das ist der vornehme Ton Stilles, seine «Me Auffassung! Und seine Wahrheitsliebe? Sind in Deutschland die Juden etwa Beherrscher der wichtigsten Stellen unseres DoWlebens? Bekanntlich sind sie von jeder einflußreichen Stellung in der Verwaltung, der Diplomatie, im Heere, in dem Schul-