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Im deutschen Reich · 1913-03-01 · Heft 3 (März 1913) · p. 135

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 3 (März 1913)
Article
[Ohne Titel] / A. Li-.
Date
1913-03-01
Page
135 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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V er einsnachrichten. 135 war der Iesuitenzögling Liechtenstein. Kurz vor dem Tode Dr. Luegers zeigte die Wiener christlich-soziale Partei tiefe Risse und Sprünge. Die Eifersüchteleien der Führer untereinander, sowie die tiefe Mißstimmung in der Bevölkerung über die verursachte unmäßige Verteuerung aller Lebensmittel durch die Agrarpolitik der Christlich-Sozialen, hatten ihre vorher so feste Stellung erschüttert. Tatsächlich gelang es näch dem Tode Dr. Luegers, bei den allgemeinen Reichsratswahlen sämtliche Wiener Mandate bis aus zwei der freiheitlichen Sache zurückzuerobern; sämtliche leitenden Persönlichkeiten der Christlich- Sozialen blieben auf der- Strecke. Dieser große Erfolg ist jedoch durch die vorjährigen Gemeinderatswahlen beeinträchtigt worden, bei welchen die Christlich-Sozialen infolge des künstlichen Wahlsystems und einer wenig gewissenhaften Wahlmache wieder zusammengeschlossen Erfolge erzielten. Von dem geringen Verständnis, das im politischen Leben Wiens herrscht, zeigt der Umstand, daß Dr. Weißkirchner, der als Handelsminister durch kräftige Unterstützung der agrarischen Politik die städtischen Interessen preisgegeben hatte, nunmehr zum Bürgermeister der Reichshauptstadt erwählt wurde. Der christlich-soziale Sieg bei den Gemeinderatswahlen erfolgte erst im zweiten Wahlgange durch den schmählichen Verrat der Deutschnationalen, die dabei dem Klerikalismus Handlangerdienste leisteten. Nachhaltiges Interesse erweckten die Ausführungen des Vortragenden über die Frage, ob es in den deutsch-böhmischen Kurorten eine judenfeindliche Strömung gebe. Der Redner bejahte diese Frage und führte diese Strömung darauf zurück, daß diese Kurorte im deutschen Sprachgebiete liegen, wo die nationale Erbitterung hohe Wogen wirft. In Karlsbad mache sich der Antisemitismus, allerdings nur im Winter, als gesellschaftliche Abschließung gegen die Juden geltend. Zu warnen sei vor dem ,,Karlsbader Fremdenblatt", das im Sommer auf den Absatz unter den jüdischen Kurgästen spekuliere, im Winter aber gegen die einheimischen Juden hetze. Nebrigens seien in Karlsbad nur einzelne Kurhäuser und Hotels zweiten und dritten Ranges antisemitisch. In der Gemeindevertretung sitzen, ebenso wie in Marienbad und Teplitz, auch Juden; man könne daher von einem offiziellen Antisemitismus nicht sprechen. In Franzens b a d habe die dortige Gemeindevertretung vor einigen Jahren auf Wunsch russisch-jüdischer Kurgäste den großen Kursaal zu einem Vortrage des Redners zur Verfügung gestellt, dessen Reinertrag den Opfern des Kischinewer Pogroms zufloß. Wie vorsichtig man bei der Beschuldigung, daß dieser oder jener Ort antisemitisch sei, sein müsse, beweise folgendes: Der deutsche Volksrat in Böhmen, der es sich zur Aufgabe macht, die Juden im deutschen Sprachgebiete Böhmens von den ohnehin in starker Minderheit befindlichen Deutschen abzustoßen,

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