Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 3 (März 1913)
- Article
- [Ohne Titel] / A. Li-.
- Date
- 1913-03-01
- Page
- 134 (sequence 4)
- Language
- German
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134 Im deutschen Reich. mete. Bei einer längeren Ansprache schilderte dann Herr Dr. Werner den jetzigen Stand der antisemitischen Bewegung, die jetzt eine Form angenommen habe, die noch abstoßender sei als der frühere Radau-Antisemitismus. So handle es sich bei den. studentischem Kämpfen gegen die Bevorratung der Ausländer in erster Linie um eine Entrechtung jüdischer Studenten. Gegen solchen latenten Antisemitismus sei ein immer größerer Zusammenschluß im Centralverein dringend geboten. In der hieraus anberaumten Pause bedeckten sich die herumgereichten Zeichnungstafeln mit einer ansehnlichen Anzahl neuer Anmeldungen. Rach Eröffnung der freien Aussprache nahm Herr Prediger und Schuldirigent A b r. L e v y das Wort, um Einzelheiten des vorangegangenen Vortrages zu beanstanden, die in der Hauptsache die jüdischen Schriftgelehrten betrafen, denen man sehr große Verdienste um die Erhaltung des Judentums zuerkennen müsse. Der 1. Vorsitzende des Centralvorstandes, Herr Iustizrat vr. Horwitz erklärte, daß der gesamte Inhalt des Vortrages ein so glänzendes Zeugnis der Gerechtigkeitsliebe und des mutigen Bekenntnisses erkannter Wahrheiten sei, daß dagegen Einzelheiten, über die Meinungsverschiedenheiten vorhanden sein könnten, in einer Zeit, in der man das Judentum so vielfach mit Lügen und Tücke bekämpfe, gar nicht in Betracht kommen könnten. Nicht etwa als Missionar, sondern als ein Prediger des Friedens und der Versöhnung habe der Vortragende seine Aufgabe erfaßt, und es sei nur zu wünschen, daß viele seiner Amtsgenossen sich diese Gesinnungen zu eigen machen möchten, für deren Bekenntnis ihm die Versammlung den wärmsten Dank schuldig sei. Nach einem kurzen Schlußwort, des Referenten, das wiederum lebhaften Beifall hervorrief, wurde die Versammlung geschlossen. A. L. — Die in unserer Zeitschrift wiederholt betonte Tatsache, daß die wechselnden Geschicke der Juden ein Gradmesser für die Kulturstufe der Völker sind, unter denen sie wohnen, verlieh dem am 3. Februar in den Ortsgruppen Berlin NW.-Charlottenburg von dem Generalsekretär der „Oesterreichisch-Israelitischen Anion" in Wien, Herrn Siegfried Fleischer, gehaltenen Vortrag über das Thema: „Antisemitismus in Oesterreich, speziell in Wien, mit besonderer Berücksichtigung der böhmischen Kur- und der Lirolis ch e n A l p e n o r t e" ein hervorragendes Interesse. Anter gespannter Aufmerksamkeit einer zahlreichen Zuhörerschaft schilderte der Redner den Beginn und die Arsachen der antisemitischen Bewegung in Oesterreich. Zunächst gestaltete sich diese unter Schönerers Führung als eine rassend eutsche, entwickelte sich aber später unter Liechtenstein und Lueger als christlichsoziale mit wirtschaftlichem Einschläge und als Schrittmacher der klerikal-feudalen Reaktion. Ihr eigentlicher Drahtzieher