Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 3 (März 1913)
- Article
- [Ohne Titel] / A. Li-.
- Date
- 1913-03-01
- Page
- 136 (sequence 6)
- Language
- German
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136 Im deutschen Neich. habe in seinen Mitteilungen angegeben, die Badeanstalt Teplitz sei judenrein. In Teplitz-SHönau leben aber 4000 Juden, die gesellschaftlich, wirtschaftlich und auch in der Pflege der schönen Künste geradezu tonangebend sind. Der Vortragende ging sodann zu den Verhältnissen in Tirol über. Dort gebe es nur eine einzige Sommerfrische, die ausgesprochen antisemitisch sei, Kitzbühel, dessen Gemeindevertretung Prospekte mit dem gestempelten Aufdrucke: „An Juden wird keine Auskunft erteilt", versendet. Ein in Innsbruck erscheinendes, christlich-soziales Blatt, der „Tiroler Anzeiger", hat im letzten Sommer eine wilde Hetze gegen die jüdischen Fremden versucht, von einer Iudenpest gesprochen, gegen die wie gegen eine Schweinepest behördlich eingeschritten werden müsse. Die „Oesterreichisch-Israelitische Rnion" hat energische Einsprache gegen diese Aufreizung erhoben, die sich auch nicht wiederholt hat. Bei der Beurteilung der Frage, ob ein Ort antisemitisch verseucht sei, komme nicht in Betracht, ob der eine oder der andere Hausbesitzer sich als judenfeindlich verhalte, sondern ob der allgemeine Charakter des Ortes judenfeindlich sei. In diesem Sinne gibt es außer Kitzbühel keine antisemitische Sommerfrische in Tirol. Mit aller Energie müsse aber die Zuwendung staatlicher Subventionen an Fremdenverkehrsvereine, die sich antisemitisch gebärden, bekämpft werden. Dringend notwendig sei es auch, daß die Fremden, die in die herrliche Bergwelt Oesterreichs kommen, sich den Sitten und Gebräuchen der dortigen Bevölkerung anpassen, nicht in den Tälern und auf den. Höhen Tirols den Luxus und die verfeinerten Sitten unserer Großstädte suchen. Nach dem Brande des Karerseehotels habe eine Dame den Ersatz von 35 Paar Schuhen beansprucht; denke man sich dazu die entsprechende Anzahl von Hüten, Kostümen, Iupons usw., dann werde man verstehen, welches Gepäck da zusammen gekommen sei. So in die Berge zu gehen, sei geradezu sündhaft. Anter lebhaftem Beifall der Hörerschaft forderte Nedner auf, zwischen allzu großer Duldsamkeit und überreizter Empfindlichkeit die richtige Mitte zu halten. Man dürfe sich nichts bieten lassen, aber auch nicht begründeten Anlaß zu Neid und Haß geben. „Vor allem aber hüten wir uns davor, uns selbst abzusondern und auf den Genuß der herrlichen Gotteswelt zu verzichten. Der liebe Gott hat die Berge nicht für die Arier und nicht für die Semiten, sondern für jedermann, der Menschenantlitz trägt, geschaffen. Kommen Sie in unsere Berge und unterstützen Sie auch mit aller Kraft den deutschen und österreichischen Alpenverein, in welchem es keine konfessionellen Änterschiede gibt. Wir Juden sind überall voran, wo es die Förderung des Guten und Schönen gilt. Fördern wir auch mit aller Kraft den Bergsport. Kommen Sie in unsere. Berge; es wird dort Ihrem Ehrgefühle nicht nahegetreten