Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 3 (März 1913)
- Article
- [Ohne Titel] / A. Li-.
- Date
- 1913-03-01
- Page
- 133 (sequence 3)
- Language
- German
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V er eftrsuachr icht en. 133 Die am SO. Januar von den Ortsgruppen Berlin O. u n d C. im Saale des „Lehrervereinshauses" veranstaltete Centralvereins-Versammlung hatte eine solche Anziehungskraft ausgeübt, daß der Saal und die Tribünen überfüllt waren. Nach einer Ansprache des Vorsitzenden der Ortsgruppe O., Herrn Or. med Edm. Werner, erhielt das Wort der Reichstagsabgeordnete Herr Pfarrer Immanuel Heyn zu dem Vortrage: „Was verdanktdasChristentumdemIudenium?", dem die dichtgedrängte Zuhörerschar mit Spannung folgte. In einer Zeit, in der vielfach nicht nur das Alte Testament, sondern auch das Neue einer gehässigen Kritik unterzogen wird, mußte es zu hoher Beftiedigung gereichen, von einem protestantischen Geistlichen in einem jüdischen Kreise die Bedeutung Israels für die religiöse Frage, die der mosaischen Gesetzgebung für die soziale Frage, die des jüdischen Prophetismus für die gesamte Menschheit gewürdigt zu hören. Nach einem kurzen geschichtlichen Ueberblick über die Entstehung des Christentums verwies Redner auf die Stellen im Neuen Testament, die mit dem Alten Testament im Einklang stehen, sowie darauf, daß beiden Religionen gemeinsam seien: der Glaube an einen allmächtigen Schöpfer des Weltalls und barmherzigen einzigen Gott, die Pflicht der freien Hingabe der Seele an diesen allgütigen Gott, die allgemeinen sittlichen Pflichten und die Nächstenliebe, der Messiasglaube und die Hoffnung auf ein ewiges Leben. Wo so vieles gemeinsam sei, müsse man dies im Leben betonen, nicht das, was uns trennt; für den gutgesinnten Christen sei der Antisemitismus etwas Unverständliches. Fest in der eigenen religiösen Ueberzeugung und der Liebe zum deutschen Vaterlande sollten die Bekenner beider Religionen sich immer an das Wort Lessings halten: Es eifte jeder seiner unbestochnen, Von Vorurteilen freien Liebe nach! Es strebe von euch jeder um die Wette, Die Kraft des Stein's in seinem Ring an Tag Zu legen! Komme dieser Kraft mit Sanftmut, Mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun, Mit innigster Ergebenheit in Gott, Zu Hilf'! Und wenn sich dann der Steine Kräfte Bei euern Kindes-Kindeskindern äußern: So lad' ich über tausend tausend Jahre Sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird Ein weiserer Mann auf diesem Stuhle sitzen, Als ich. Lang anhaltender, wiederholter Beifall folgte diesen Ausführungen, für die der Leiter der Versammlung, Herr Dr. Edm. Werner, dem Vortragenden Worte herzlichen Dankes wid-