Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 3 (März 1913)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1913-03-01
- Page
- 125 (sequence 4)
- Language
- German
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Amschau. 125 Juden dann in Palästina sich ein eigenes Reich gegründet haben und einen Kaiser brauchen, dann können wir ihnen unseren Rothschild schicken." — Es mag zugegeben werden, daß ein Teil der akademischen Zuhörerschaft des Professors Adolf Bartels durch die Ausländerbewegung in der Klinikerschaft bereits seit Wochen in eine Stimmung versetzt war, die sie für die Ausfälle des Redners gegen die ,,Fremdlinge" besonders empfänglich machte. Die Ausländersrage gab bald nach der Bartels-Versammlung Anlaß zu einer sehr zahlreich besuchten jüdischen Akademikerversammlung, die im Saale des Berliner Handwerkervereins tagte und in der von dem Referenten sowohl die Vorgänge bei. der Versammlung am 21. Januar, als auch die Haltung der Studenten den russisch-jüdischen Studenten gegenüber als hervorstechende Kundgebungen antisemitischen Geistes bezeichnet wurden. Rach erregten Debatten wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in der die Versammlung die E i n - führung des Physikums für die ausländischen Studenten für berechtigt erklärte, sich jedoch entschieden gegen solche Forderungen verwahrte, die, wie die Einführung der Prozentnorm, der bedrängten jüdischen Jugend Rußlands alle Bildungsmöglichkeiten abschneiden würde. Leider hat man bei der Behandlung des Ausländerproblems die Erfahrung machen müssen, daß auf seiten der Klinikerschaft geschickt verborgener „Chauvinismus" die ganze Agitation durchdrungen hat. Für die Verschärfung der antisemitischen Stimmung in den konservativen Kreisen ist ein Kreuzzeitungsartikel von vr. Hans R o st kennzeichnend. Er verweist unter anderem auch auf die starre Scheidewand, den die deutsche Studenten-Korporation zwischen sich und den Juden errichtet hat, und fügt dann hinzu: ,,Die Iudenfrage würde sich von selbst lösen, wenn die deutschen Regierungen an der deutschen Grenze den Zugang für nichtdeutsche, ausländische Juden sperren würden. Dem internationalen Judentum, das meist ohne Habe und Bildung unsere Grenze überschreitet und unsere Kultur und unsere günstigen Wirtschastsverhältnisse aussaugt, sind wir keinerlei Entgegenkommen schuldig. Da unser einheimisches Judentum infolge des neomalthusianistischen Fluchesund anderer Degenerationserscheinungen seinem Untergang sicher zueilen würde, käme die Iudenfrage in Deutschland einer allmählichen Lösung entgegen. Der Erfolg wäre sicher, wenn es nicht den maßgebenden Faktoren an Tat- und Entschlußkraft gebricht. Denn obwohl zahlreiche einheimische Juden vom ausländischen Schnorrertum nichts wissen wollen und sich auch tief ihres Judentums schämen, wobei sie an die gesellschaftliche Emanzipation und