Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 3 (März 1913)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1913-03-01
- Page
- 123 (sequence 2)
- Language
- German
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Amschau. 123 nennenswerten Erfolge erzielen konnten, haben sie dank der Dienste, die sie den Rückschrittlern leisten, sich vor der Jugend als Männer mit unabhängiger Gesinnung aufspielen können, ohne für ihre Wühlerei die verdiente Strafe zu erleiden. Unter agrarischer Deckung waren Angriffe auf die jetzige Staats- und Gesellschaftsordnung ganz ungefährlich. Den Konservativen war der Antisemitismus eine so wertvolle Waffe gegen moderne Anschauungen, daß sie die anarchistischen Zutaten gern übersahen. Das antisemitische Buhlen um öre Seelen bet Jugend birgt aber eine große Gefahr in sich. Von der antisemitischen Presse ist behauptet worden, sie kämpfe um die Seele des Kaisers; an seinem Geburtstage rief ihm die Staatsbürger-Zeitung zu: „Du Getreuester Deines treuen Volkes, wende Dich ab'von der Clique der Fremdlinge, die an des Volkes Mark in wirtschaftlichem und Rassensinne zehren und die man Dir zu nahe zu bringen gewußt hat." Aber nicht dem Träger der Krone können diese Worte gelten, der von der Unrichtigkeit dieser Klagen überzeugt ist. Sie bezwecken zweifellos, hinauszuklingen in die deutsche Jugend, sie an den Wagen des Antisemitismus zu fesseln und zu einem Treiben zu entflammen, das die Staatsleitung den Anforderungen der agrarischen Freunde und ihres antisemitischen Anhangs gefügig machen soll. In diesem Jahre, das nicht nur durch die großen Erinnerungen an die Erhebung des preußischen Volkes aus der schmerzlichsten Erniedrigung, sondern auch durch die bevorstehende Feier der 25 jährigen Regierungszeit des Kaisers zur Einstellung der inneren Fehden mahnen sollte, sind von konservativer und sogenannter „alldeutscher" Seite wiederholt Flammenworte in die jugendlichen Gemüter hinausgeschleudert worden, die nicht nur die Juden bedrohen. Wenn bei dem Reichskommers des Vexeins deutscher: Stubenten Generalleutnant von Liebert beklagte, daß die schwarz-rotgoldene Internationale das Volksbewußtsein untergrabe, können dies die jugendlichen Hörer nur als eine Warnung vor einer Interessengemeinschaft des katholischen Zentrums, der Sozialdemokratie und des Judentums verstanden haben. Daß weder diese Gemeinschaft noch „ein zersetzender Einfluß des Judentums" besteht, dessen Bekämpfung von dem stud. phil. Röseler als das Hauptziel des Vereins deutscher Studenten bezeichnet wurde, bedarf keiner Erwähnung. Weit schärfer geht die Absicht, Religions- und Rassenhaß in akademischen Kreisen zu schüren aus einem vom Reichshammerbund und dem deutsch-völkischen Studentenverband