Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 3 (März 1913)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1913-03-01
- Page
- 122 (sequence 1)
- Language
- German
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122 Im deutschem Reich. Umschau. urch Verfassung und Gesetz sind wir längst deutsche Staatsbürger, trotzdem enthält man uns noch vieles vor; wir sind es aber auch durch Vaterlandsliebe und Opferfreudigkeit vielleicht mit noch größerem Recht als viele, die unsere nationale Gesinnung und unser ideales Streben in Abrede stellen. Graf E. zu Reventlow hat kürzlich in der „Deutschen Vortragsgesellschaft" einen .Vortrag gehalten, in dem er von dem vermeintlichen Materialismus der Juden sprach und die Frage aufwarf, wie die deutsche Ration sich im Falle eines nationalen Krieges zu verhalten habe, wenn das den Geldmarkt beherrschende Judentum die finanzielle Unterstützung verweigere, um dadurch einen Druck auf die Regierung auszuüben. Der gräfliche Redner hätte aus dem Verhalten der Juden während der Kriege im vorigen Jahrhundert wissen können, daß nicht nur der Adel, sondern weit mehr das Bürgertum und in diesem auch die Juden damals einen idealen Patriotismus betätigt und die größten Opfer an Gut und Blut gebracht haben. Die bis dahin vom Kriegsdienst ferngehaltenen preußischen Juden haben eine ansehnliche Anzahl freiwilliger Kämpfer gestellt, deren Tapferkeit urkundlich bezeugt ist. Ein jüdischer Kämpfer namens Ginzburg war der erste, dem das Eiserne Kreuz verliehen wurde, und eine ganze Anzahl jüdischer Soldaten sind im Kampfe gefallen oder schwer verwundet worden. Die Zahl der jüdischen Krieger, die dekoriert wurden oder den Offiziersrang erhielten, war verhältnismäßig bedeutend. Nicht minder ehrenvoll war das Verhalten vieler preußischer Juden, die für die Ausrüstung der Vaterlandsverteidiger freudig große Summen opferten oder durch Pflege der Verwundeten und Kranken sich bewährten. Dabei wußten sie oder ahnten es wenigstens, daß nach Aeberwindung der größten Gefahr für das Vaterland die Reaktion wieder einsetzen und die bevorrechtigten Stände den wohlverdienten Lohn nicht nur den Juden, sondern allen Bürgern kürzen würden. Aber die Juden waren zu aller Zeit dazu erzogen, nicht wie Knechte dem Herrn nur um Lohn zu dienen; ihr Vaterland geht ihnen über alles. Im Falle eines Krieges werden sie zweifellos auch künftig ihre Vaterlandsliebe von keiner Bedingung abhängig machen, sondern die beschämen, die in solchen oder ähnlichen Fällen es zuweilen sehr gut verstanden haben, „einen Druck auf die Regierung auszuüben". In solchen Versuchen haben bisher gerade die Antisemiten Staunenswertes geleistet. Wenn sie dabei glücklicherweise keine