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Im deutschen Reich · 1913-03-01 · Heft 3 (März 1913) · p. 107

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 3 (März 1913)
Article
Wiederum eine Antwort
Date
1913-03-01
Page
107 (sequence 3)
Language
German
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Wiederum eine Antwort. 107 meint, man müsse das Werk widerlegen. Aber: um das zu Lun, wäre man genötigt, ein ebenso dickes Werk zu verfassen, das zunächst einmal gründlich scheidet die von arischen Männern stammenden Generalausblicke, Weltanschauungsäußerungen usw. von tagespotitischen Bekundungen. Im Antisemitenspiegel wird das alles wie Kraut und Rüben durcheinandergeworfen; jede über die Gegenwartsverhältnisse weit hinausführ ende Aeußerung, die einem geschlossenen idealen Weltbilde entstammt und von da aus Augenblicksdinge in grellem Lichte sieht und spiegelt, wird verwendet, als käme sie vom Trittbrett des Tages. So wird von den Volksdeutschen jeder Partei die Seite gezeigt, auf der Gegensätzlichkeit herrscht: „Wollt ihr mit diesen Menschen Gemeinschaft haben?" Ich weiß natürlich, daß das politische Getriebe mit tödlicher Sicherheit die minderwertigsten Elemente und Praktiken obenan bringt; aber der Streit um die jüdische Beeinflussung unseres volklichen Lebens kann doch nicht auf so minderwertiger Grundlage ausgefochten werden. Vielleicht war das der Fehler des alten Antisemitismus, zugestanden. Aber der lebt heute nicht mehr, und der Wille zu ehrlicher Wertung, der Wille zu wissenschaftlicher Sachbehandlung herrscht. Ich glaube, es läge im Interesse der jüdischen Seite, sich nun auch gänzlich dieser Kampfesart zuzuwenden, und so vor allen Dingen zu verzichten auf alle Redensarten von Glaubenshaß oder Rassenhaß, denn von Haß ist hier auf unserer Seite keine Rede. Was wir tun müssen, geschieht dem Deutschtum zu Liebe (zur Erhaltung, Stärkung, Rettung), aber nicht dem Judentum zu Leide; es ist nicht unser Wille, sondern Zeitenverhängnis, daß wir uns dabei gegen das Judentum wenden müssen. Wenn man auf Ihrer Seite auch so denkt, so wird man mir kein „Audacter calumniare“ vorwerfen; man wird finden, daß man damit sich selber herabsetzt, aber nicht mich. „Sie kämpfen für Recht und Gerechtigkeit", sagt Or. Goldmann, und er meint damit den Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Ich sage: da kommt es zunächst einmal auf grundlegende Anschauungen an. Betrachtet man Staat und Volk als zufälliges mechanisches Geschichtsergebnis ohne Individualität, dann wird natürlich der jüdische Kampf ein Kampf „für Recht und Gerechtigkeit" sein. Aber wir haben aus der Geschichte die Erkenntnis gewonnen, daß ein derartiger Staat nicht dauernd lebensfähig ist, und daß vor allen Dingen dabei das Volk seinen Wert verliert, weil es aus diese Weise seine Sonderwerte, statt sie zu entwickeln und sie als Richtlinie seiner Entwicklung zu nehmen, aufgibt und abschleift. Wir betrachten das Ergebnis, den Erfahrungen folgend, als eine Horde, die nicht mehr durch irgendwelche Idealgemeinsamkeit zusammengehalten ist, sondern lediglich Erwerbs- und Vergnügungstrieb kennt. Auch der Gegner wird mir darin recht geben müssen, daß ein Volk auf solchem Standpunkte nicht mehr Sitte und nicht mehr Ziel zu entwickeln vermag; es hat also keine Tragstützen in die Zukunft hinein. Der Augenblick ist alles. So sind — mittelbar — die alten Kulturvölker zugrunde gegangen an der Auflösung ihrer bluts entwachsenen Idealgemeinsch aft, welche die Folge der mechanistischen Staatsentwicklung und der Vermischung war. Diese Gedanken haben ja auch auf jüdischer Seite reiche Bestätigung gefunden, nicht nur in der Tätigkeit der Zionisten, sondern auch in dem Buche Walter Rathenaus „Kritik der Zeit". Allerdings ist die Mechanisierung Herrn Rathenau Ideal, wie allen rassendemokratisch gerichteten Naturen; der Germane ist aber eben individualistisch und volksorganisch und rafsenaristokratisch gerichtet, und zwar um so mchr, je reiner er in der germanischen Blutsgemein-

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