Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 3 (März 1913)
- Article
- Wiederum eine Antwort
- Date
- 1913-03-01
- Page
- 106 (sequence 2)
- Language
- German
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106 Im deutschen Reich. Zunächst: es ist unrichtig, daß der Kunstwartherausgeber dem Bergrat Gothein die Gelegenheit zu sachlicher Richtigstellung vorenthalten hätte. Ich kann dazu Wohl einfach auf das zweite Dezemberheft des „Kunstworts" verweisen, in dem diese Dinge eingehend dargelegt sind. Auch der Jude, der in der Angelegenheit sachlich urteilen will, wird zu derartigen Vorwürfen gegen Avenarius (der übrigens nicht entfernt meine Anschauungen teilt) keinen Anlaß haben. Dann noch ein Wort betreffs des Herrn Gothein selbst. Er meinte oder gab wenigstens der Meinung Ausdruck, ich hätte ihn damit herabsetzen wollen, daß ich ihn als „getauft" bezeichnete. Das ist eine ganz irrige Auffassung. In meinem Sinne ist mit der Feststellung von Abstammungstatsachen weder. Geringschätzung noch Herabsetzung verbunden; ich bin doch natürlich so verständig, zu wissen, daß für seine Abstammung niemand kann. Der Kern jener Bemerkung aber ist: Gothein kommt rassisch aus dem Judentum. Das ist Tatsache. Rur als solche kommt sie in Betracht, und eine Wertung ist nur insoweit damit verbunden, als gesagt sein wird: „Ls ist somit nicht verwunderlich, daß ihm wesentlich die aus der jüdischen Blutsart folgenden Gedankengänge eigenen, und daß er gegen den ,Antisemitismus^ Stellung nimmt." Derartige Schlußfolgerungen sind in den Veröffentlichungen der Alliance IsraeLte häufig und weit schärfer gezogen, und ich habe dafür im „Kunstwort" ein Beispiel wörtlich angeführt. Weiteres spare ich mir nur im Hinblick auf den Raum. Eine Beleidigung des Bergrats Gothein hat also nicht stattgefunden; es ist einfach für einen algebraischen Wert der Rechnung der entsprechende arithmetische eingesetzt. And in diesem Zusammenhang nun überhaupt über den Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Man hat mir ungeheuer übel genommen, daß ich sagte: die Mitglieder sind großenteils blutsmäßig oder verwandtschaftlich mit dem Judentum verknüpft. Wan hat darin auch wieder eine Beleidigung erblicken wollen. Ja, ist denn die Tatsache, daß jemand mit dem Judentum blutsmäßig oder anders verwandt ist, eine Beleidigung? Es handelt sich einfach um eine Feststellung. Für Richtjuden ergibt sich die Rechnung anders, wenn diese Zusammenhänge klargestellt sind. Ich darf wohl hier nicht an Hand des Ausschußverzeichnisses jenes Vereins den Beweis führen, daß meine Behauptung tatsächlich zu Recht besteht. Das wird aber an anderer Stelle geschehen müssen, ohne jegliche beleidigende Absicht, lediglich: damit man die richtigen Werte in der Rechnung stehen hat. Es wird auch dargetan werden müssen, wie sich in Einzelfällen die Werbung des Vereins vollzieht, alles nur zur Klarstellung der Rechnung. Dabei können sogar Fehlgriffe erfolgen, wie sie sich auf beiden Seiten fast täglich ereignen. Soweit sie der Wahrheit dienen wollen, seien sie milde beurteilt. Der Herr Gegner muß sehen, daß für die blutsdeutsche Seite durch die Entwicklung im Judentum eine Menge Anklarheiten entstanden sind. Die Ramensänderungen, die Mischehen, die Taufe haben dazu beigetragen. Wem die Iudenfrage eine'Rassenfrage ist, der muß dort Klarheit schaffen — ohne allen Haß, einfach zur Ermöglichung der richtigen Rechnung. Denn die Entwicklung der Instinkte, der Gemütsregungen und der Denkrichtung geht nicht mit der Taufe, sondern mit dem Blut. Wan sollte deshalb auch auf jüdischer Seite grundsätzlich darauf verzichten, Leute jüdischer Abstammung als „arische Christen" zu bezeichnen und Halbblütler sozusagen als arische Kronzeugen zu verwenden. Daß ich den „Antisemitenspiegel" als ein denunziatorrsches Machwerk ansehe, macht mir vr. Goldmann zum Vorwurf; er