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Im deutschen Reich · 1913-03-01 · Heft 3 (März 1913) · p. 98

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 3 (März 1913)
Article
Professor Dr. Julius Goldsteins Kritik meines Kunstwart-Aufsatzes
Date
1913-03-01
Page
98 (sequence 2)
Language
German
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Im deutschen Reichn nicfjt nur tu der antisemitischen, erörtert worden, mit alleiniger Ausnahme einiger führender, von den Antisemiten sogenannter Iudenblätter, und es mußte jeden Inden, ganz gleichwelcher Partei, empören, zu sehen, wie z. B. das Berliner Tageblatt bei Gelegenheit der Gottheinschen Beschwerde die Hauptsache Lotgeschwiegen nnt damit die Wahrheit gefälscht hat. Aber jener geschickte Anfang erregi im harmlosen Leser die Vorstellung, als ob ich selber antisemitischer Kalibers wäre. Bevor ich nun zur Sache selbst komme, muß ich eine prinzipielle Bemerkung vorausschicken. Ich habe meine Betrachtungen auf Grünt nationaljudischer Gesinnung angestellt. Zionismus ist nicht Gegenstand, sondern Voraussetzung meines Aufsatzes. Es trifft mich alsc gar nicht, wenn der Kritiker eben diese Voraussetzungen angreist und man kann mich nicht dadurch widerlegen, daß man das Nationaljudentum widerlegt. Wan muß mir also meinen Standpunkt lassen und ich lasse meinem Kritiker den seinen. Dennoch sollte er auch von seinem Standpunkt aus die „Phras; von der nationalen Eigenart, die sich steigern, verinnerlichen, veredeln lasse, daß sie zum Vorzug!, zur Tugend werde", nicht so allgemein für „törichtes Gerede" erklären. Denn dieselbe Anschauunc auf deutsche Eigenart angewendet, wird er kaum so abzufertiger wagen. Ich brauche ihn ja wohl nicht darüber zu belehren, wü unser kräftiges deutsches Nationalgefühl, das ich selbst so stark Wb irgendeiner empfinde, und dessen Ausdruck in meinem Aufsatz de; Kritiker gegen mich zitiert — wie dieses Gefühl nach Iahrhunderter gänzlicher Verlotterung und Vekümmernng allmählich uns bewußt von den größten Geistern Deutschlands gepflegt, gesteigert und allerdings verinnerlicht und veredelt worden ist: Lessings Kampf gegen das französische Theater, Klopstocks Aufrufe au die deutsche Muse, Herders Konzeption nationaler Literaturen, des jungen Goethe Dithyramben für deutsche Art und Kunst, Schillers Nationaldramen, di< romantischen Schatzgräber, die das deutsche Mittelalter samt Märchen und Volkslied wieder zutage förderten, sind ebenso viele Stufen eines allmählich mit zähem Eifer bewußt gewecktem und groß gezogenem Nationalismus, und wer erfahren will, wie eine solche Idee gegen bu Indolenz der Massen durchgesetzt werden muß, der lese Ernst Moritz Arndts in schwerer Zeit hinausgeworfenes Werk „Geist der Zeit". Also, es stimmt nicht ganz, daß man nationale Eigenart entweder hat oder nicht hat. Man kann sie auch erwecken, schaffen, erwerben, das ist gar keine Frage. Eine Frage ist nur, ob einem diese Tatsache angenehm oder unangenehm ist — uub das liegt, wie gesagt, am Standpunkt, über den wir nicht streiten wollen. Es gibt, trotz widerstrebenden Voraussetzungen, manches, worüber mein Gegner und ich ganz einer Meinung sind; aber dann darf man es nicht wider mich ansspielen. Der Kritiker stellt umständlich fest, daß unsere Feinde jüdische Werke nur dann für fremd halten, wenn man den Juden ans anderweitigen Indizien erkenne. Aber wem sagt er denn das? Mir ist doch so, als ob gerade ich gegen die brutale Ungerechtigkeit in der Beurteilung jüdischer Leistungen mich ausgelassen und im Hinblick darauf gefragt habe: „Da dir so von deinen Mitmenschen begegnet wird, wie begegnetst du ihnen?" Ich behandle Ehamberlain mit verzeihender Mckde? Daß man mich nach diesem Aufsatz als einen Verteidiger der „Grundlagen" und ihres Verfassers hinstellt, ist wirklich der beste Witz, den man sich leisten kann. Aber der Kritiker hat meine Worte, die er er zugunsten Lhamberlains auslegt, einfach nicht verstanden. Was ich sagen wollte, ist, daß es uns ganz und gar nichts nützt, solche und ähnlichsteußerungen über uns Juden dadurch zu erledigen, daß wir

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