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Im deutschen Reich · 1913-02-01 · Heft 2 (Februar 1913) · p. 82

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 2 (Februar 1913)
Article
[Ohne Titel]
Date
1913-02-01
Page
82 (sequence 4)
Language
German
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82 Im deutschen Reich. Henriette Fürth aus Frankfurt a. M. einen Vortrag über „Die kulturgeschichtliche Bedeutung des Judentums und der Rückgang der Geburten bei den Juden in Deutschland" hielt. Frau Fürth gab zunächst einen kurzen geschichtlichen lieber blick über die kulturgeschichtliche Entwicklung der Juden und suchte die Ilmstande darzutun, die für die Bedeutung der Juden im wirtschaftlichen Leben ausschlaggebend sind. Sie hob die Bedeutung der Juden im wirtschaftlichen Leben sowie ihre Wohltätigkeit hervor und gelangte zu dem Ergebnis, daß die Juden im europäischen Völkerleben gewissermaßen den Gärungsstoff biloeten und aller Grund vorhanden wäre, für ihre Weiterentwicklung zu sorgen. Dennoch sei eine auffällige Verminderung der jüdischen Bevölkerung Deutschlands festzustellen. In' der letzten Zählungsperiode hätten sich die deutschen Juden nach wie vor in außerordentlich geringer Weise vermehrt. Die Ursache liege in der Taufe, der Mischehe, und vor allem in dem Geburtenrückgang unter den Juden. Die geringe Säuglingssterblichkeit unter den Juden und die Einwanderung aus dem Auslande mindern zwar in etwas die Folgen des Geburtenrückganges, anderseits aber führe die größere Sterblichkeit der unehelichen Kinder nicht unerhebliche Verluste unter dem jüdischen Nachwuchs herbei. Das Judentum sollte daher aus Selbsterhaltung sich der unehelichen Kinder mehr annehmen. Die Gründe für den Geburtenrückgang seien darin zu erblicken, daß die Juden zum größten Teil Bewohner der Großstädte sind, in denen auch bei der christlichen Bevölkerung ein Geburtenrückgang festzustellen sei. Das Großstadtleben bringe Bequemlichkeit und Genußsucht mit sich so daß die dort ansässigen Juden die Ehe in erster Linie als Versorgungseinrichtung betrachten. Darauf sei auch die bei den Inden besonders auffällige Heirat im späteren Alter zurückzuführen. Die Juden sollen daher ihre übermäßigen Ansprüche auf Lebensgenuß einschränken und durch Rückkehr zur Einfachheit wieder die Möglichkeit erhalten, eine größere Anzahl von Kindern zu erziehen. — Die Ortsgruppe Dortmund des Centralvereins hat am 2. Dezember v. I. im großen Saale des Gewerbeverems eine öffentliche Versammlung abgehalten, zu der sich zahlreiche Damen und Herren eingefunden hatten. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Herr Vorsteher der Gemeinde D. L e e s e r, erstattete den Bericht über die Tätigkeit des Ortsausschusses im verflossenen Jahre. Mit Genugtuung stellte er fest, daß der Gruppenvorstand nur selten Gelegenheit habe nehmen müssen, gegenüber antisemitischen Ausschreilungen einzugreifen. Wo dies habe geschehen müssen, sei die Angelegenheit zufriedenstellend erledigt worden. Der Vorstand der Centrale in Berlin hatte Herrn Dr. Segall als Redner nach Dortmund entsandt. In seinem von anerkannter Sachlichkeit und tiefen Studien zeu-

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