Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1913)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1913-02-01
- Page
- 81 (sequence 3)
- Language
- German
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Pcreinsnachrichtcn. 81 haben wir unä zu beugen. Unsere Pflicht war es, unseren Glaubensgenossen gegen das Ilnrecht Beistand zrc leisten. Nur das Bewußtsein, dieser Pflicht genügt zu haben, ist geeignet, uns über den Mangel eines Erfolges einigermaßen hinwegzuhelfen. — Antisemitismus in der S ch u l e. „Wenn der Lärm hier nicht aufhört, werde ich die jüdischen Schülerinnen von der Andacht ausschließen." Mit diesen Worten wendete sich am 16. Oktober v. I. der Direktor der Wilmersdorfer (5 ä c i l i e n s ch u l e bei der Oktoberschlußfeier an die in der Aula versammelten Schülerinnen. Da er im Augenblick nicht erkennen konnte, von welchen Schülerinnen der Lärm ausging, mußten die jüdischen Kinder diese Aeußerung sämtlich als eine schwere Kränkung empfinden, zumal schon früher in der Cacilienschule, die von 250 jüdischen Schülerinnen besucht wird, einzelne Vorkommnisse bei den Kindern Zweifel an der .Unparteilichkeit ihrer Behandlung erwecken mußten. Herr Direktor Triebet lehnte auf eine Anzahl von den Eltern an ihn gerichteter Beschwerden jede sachliche Erörterung und Rechtfertigung schroff ab, was die betreffenden Väter veranlaßte, sich mit einer Beschwerde an das Kgl. Provinzial-Schulkollegium mit der Bitte zu wenden, eine Untersuchung einzuleiten. Von dieser Beschwerde wurde dem Magistrat zu Wilmersdorf eine Abschrift mit der Bitte übermittelt, dafür Sorge tragen zu wollen, daß in einer Schule, die aus städtischen Mitteln erhalten werde, derartige Vorfälle für die Folge vermieden werden. Von seiten des Provinzial-SchulkoUegiums ist inzwischen an einen der beschwerdeführenden Vater folgender Bescheid gelangt: „Die in der Eingabe v. 17. Oktober d. I. beanstandete Aeußerung des Direktors der Cacilienschule in Wilmersdorf, soweit sie die jüdischen Schülerinnen besonders erwähnte, vermögen auch wir nicht zu billigen." — In einer von der Ortsgruppe Saarbrücken des Centralvereins veranstalteten Propaganda-Versammlung hat Herr Rechtsanwalt J)i-. Erich Kehr aus Kaiserslautern im November v. I. durch einen Vortrag über das Thema „Die Juden und der Centralverein" die Sache des Centralvereins abermals in dankenswerter Weise gefördert. Der Eindruck seiner Ausführungen war so tiefgehend, daß die zahlreich Versammelten nicht nur lebhaften Beifall spendeten, sondern daß von den noch nicht unserer Vereinigung angehörenden Anwesenden sofort 50 ihren Beitritt erklärten, so daß die Ortsgruppe Saarbrücken jetzt über 120 Mitglieder umfaßt. Dem Vortrage des Herrn Dr. Kehr schloß sich eine lebhafte Diskussion an, welche die Zuhörerschaft bis zu spater Stunde fesselte. — Im Dezember v. I. fand in der Ortsgruppe Wilmersdorf eine stark besuchte Versammlung statt, in der Frau