Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1913)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1913-02-01
- Page
- 83 (sequence 5)
- Language
- German
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P ereinsnachr icht en. 83 genden Vortrag gab er den Versammelten ein klares Bild von der wirtschaftlichen Entwicklung der deutschen Juden. Der Redner ging des näheren auf den Rückgang der Gebunszahlen unter den deutschen Juden ein, deckte die Gründe für diese Erscheinung auf. legte die Zusammensetzung der deutschen Juden in ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit dar, wies auch hierbei auf die Beteiligung der Juden an den höheren Staatsstellen hin, schilderte den Umschwung, der in der sozialen Gliederung der Juden in den letzten Jahren vor sich gegangen, und kam schließlich noch auf die auch unter den deutschen Juden akut gewordene Frauenfrage zu sprechen. Er schloß mit der Versicherung, daß das Streben nach der wirtschaftlichen Blüte Deutschlands alle Juden beseele. Es ist natürlich nicht angängig, den gehaltvollen Vortrag an dieser Stelle im einzelnen wiederzugeben und auf ihn näher einzugehen. Die Versammlung war mit gespannter Aufmerksamkeit dem Vortrag gefolgt und belohnte den Redner mit rauschendem Beifall. Herr Oberingenieur Iacobowics aus Essen sprach alsdann über „Deutschtum und Judentum". Seine interessanten Ausführungen gipfelten darin, daß die Juden nur noch durch das Band ihrer Religion untereinander verbunden seien. Als ihr Vaterland könne für sie nur Deutschland in Betracht kommen. Mit ihrem Herzblut hätten die deutschen Juden sich dieses Land als ihr Vaterland erkämpft; die deutsche Sprache sei die ihrige. Ihr ganzes Sein und ihr Wesen wurzele in diesem Lande. An der sich anschließenden Debatte beteiligten sich die Herren Rabbiner Dr. Jakob aus Dortmund und Dr. David aus Bochum. Dr. Jakob glaubte feststellen zu müssen, daß nach allen Anzeichen die antisemitische Bewegung wieder im Vorwärtsschreiten begriffen sei. Den Hauptboden für den heutigen Antisemitismus gaben die akademischen Kreise ab. Es habe dies seinen Grund zum größten Teil in der Unkenntnis über jüdisches Wesen. Darum sei es Pflicht, die christlichen Mitbürger über die Juden auszuklären. Von ihrer guten Meinung hänge schließlich noch mehr als von den Gesetzen die Existenz der Juden ab. Auf keinen Fall dürften sich die deutschen Juden ihr Deutschtum rauben lassen. Wenn man auch die Juden aus Gesellschaften und Vereinen ausschlösse, von dem Geistesleben der deutschen Nation könne man sie nicht ausschlietzen und lasse man sich auch nicht ausschließen. Herr Dr. David überbrachte zunächst die Grüße des Landesausschusses für Rheinland und Westfalen. In seinen weiteren Ausführungen hob er hervor, wie die rheinisch-westfälische Großindustrie sowie die Großbanken in diesem Bezirk bestrebt seien, Juden aus ihren Betrieben fernzuhalten. Sie seien in diesen Betrieben so gut wie ausgeschlossen. Weiter wies er darauf hin, daß gerade in