Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1913)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1913-02-01
- Page
- 69 (sequence 3)
- Language
- German
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IhnfcfKni. 69 Wie sie durch die von der Statistik längst Lügen gestrafte Behauptung, daß das Nationalvermögen oder wenigstens der größte Reichtum im Besitze der Juden sei, beständig den Neid und Haß der Nichtbesitzenden gegen die Juden zu entflammen suchen, so tragen sie auch kein Bedenken, die noch widersinnigere Behauptung zu verbreiten, „die Hebräer seien dieFührer derrevolutionären Parte ie u“, stimmen aber in demselben Augenblick mit Sombart darin überein, daß sie die Hebräer als die Schöpfer und Beherrscher der modernen Volkswirtschaft und als diejenigen gelten lassen, denen die neueren kapitalistischen Errungenschaften zu danken sind. Der deutsche Arbeiter hat aber längst einsehen gelernt, daß Kapital und Arbeit sich ergänzen müssen, weil das Kapital die Arbeitsgelegenheit schafft und mehrt, die für den Nichtbesitzerioen die größte Wohltat ist und ihm alle Amsturzgelüste benimmt. Der Mittelstand aber ist durch die Lmtisemitische Wühlerei, die ihn nur unzufrieden gemacht und vielfach verhindert hat, seinen Betrieb durch Aneignung aller Vorzüge der Technik wieder in Flor zu bringen, nicht, gefördert, sondern geschädigt worden. Auch auf diesen wirtschaftlichen Gebieten haben die deutschen Juden in ihrem eigenen Interesse, wie in dem der Gesamtheit, staatserhaltend gewirkt, im Gegensätze zu den 'Antisemiten den Geist der Zufriedenheit gefördert und nicht den geringsten Anlaß gegeben, sie als Revolutionäre zu beurteilen. Ausgeschlossen von der deutsch-konservativen Partei durch das erneuerte Tivoli-Programm entr,alten sich die deutschen Juden entweder jeder politischen Parteinahme, oder sie wirken zumeist in den verschiedenen nicht reaktionären Fraktionen als Förderer aller zulässigen und möglichen sozialen Reformen wie aller wohltätigen Bestrebungen. Die geringste Anerkennung, die sie für derartige Leistungen finden, erweckt stets ein förmliches Wutgeheul im antisemitischen Lager, in dem man die Lehre, „Gott zu geben, was Gottes, dem Kaiser, was des Kaisers ist", mehr und mehr mißachtet. Die katholische Zentrumspresse protestiert endlich gegen die Versuche der antisemitischen Anarchisten, durch den Wotansdienst das Semitentum zu entwurzeln; die konservative Parteipresse wartet aber anscheinend noch auf die Erlaubnis des Bundes der Landwirte, sich diesen Protesten anzuschließen. Sie hätte allen Grund, ihren antisemitischen Troß abzuschütteln, der sich aller Ehrerbietung gegen den Träger der Krone entäußert und in staatsgefährlicher Weise den monarchischen Sinn breiter Schichten ebenso untergräbt wie den religiösen. Kein unabhängiger Privatmann würde sich von gänzlich Anberufenen solche Vorschriften machen lassen, wie sie von der Antisemitenpresse dem deutschen Kaiser und König von Preußen gemacht werden. Wir betrachten es nicht als