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Im deutschen Reich · 1913-02-01 · Heft 2 (Februar 1913) · p. 68

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 2 (Februar 1913)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1913-02-01
Page
68 (sequence 2)
Language
German
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(A Im deutschen 9\cui>. icber Aufslandsversuch, er komme von welcher Seite er wolle, -eine andere Folge haben könne als die vollständigste Reaktion. Diese Annahme ist aber bei der Bevölkerung so verbreitet, daß die organisierten deutschen Arbeiter weit bessere Schützer von Ordnung und Gesetz sein dürsten als die juden- ^'eindliche geheime „Feme", die sich ihrer Führung bemächtigen möchte. Lin von Di'. Heinrich Pudor verfaßter antisemitischer Ausruf: „Organisieren wir uns!" empfiehlt deshalb einen minder blutigen Waffengang gegen die Juden, den verschärften Boykott. Die deutsch-völkischen Organisationen sollen strenge Strafen darauf setzen, wenn ein Mitglied den Boykott bricht, und es auch durch planvolle Organisation antisemitischer Käuferbünde dahin bringen, daß die Juden völlig erwerbslos werden und das Land verlassen. Was in dieser Richtung von antisemitischer Seite erreicht werden konnte, ist jedoch bereits geschehen; der angerichtete Schaden ist auch schon groß genug, und zwar nicht nur bei den Juden. Man hat schon vielfach eingesehen, daß der Boykott eine zweischneidige Waffe ist, die häufig bcn verletzt, der sie führt. Die antisemitischen Boykottprediger selbst warnen zwar andere, bei Juden zu kaufen, sie aber oder ihre Frauen kaufen dort, ohne nach dem Taufschein zu fragen, wo sie gediegene und geschmackvolle Waren zu reellen Preisen finden. Manche sitzen bei dem Frühschoppen mit antisemitischen Aerzten am Stammtisch, aber bei ernsten Erkrankungen ihrer nächsten Angehörigen geben sie nicht selten dem jüdischen Arzte den Vorzug. Die mit antisemitischen Bankgründungen und Bankhäusern gemachten Erfahrungen haben manchen begüterten Bovkottprediger längst belehrt, mit dem eigenen Besitztum nicht streng nach Pudorschen Parteigrundsätzen zu verfahren. Man erinnert sich dabei zuweilen rechtzeitig an die bei Ouistorp. Exner, Sauden, Terlinden, Treber-Schmidt u. a. m. verloren gegangenen Millionen, und wie gut dagegen zum Beispiel Baron Cohn in Dessau das Vermögen Kaiser Wilhelms l. verwaltete, wie hoch Bismarck Bleichröders Rat geschätzt hat. Jüdischen Rechtsanwälten und Notaren, Apothekern, Fabrikanten u. a. m. auf Anordnung der Herren Di\ Pudor, Fritsch und Staufs das Vertrauen zu entziehen, das diese Juden sich erworben haben, halten die Führer der Antisemiten selbst für ausgeschlossen. Sie rechnen aber auf die Dummen, „die nie alle werden" und schließlich immer die Zeche bezahlen müssen. Aber die Zahl dieser Dummen vermindert sich durch die gerade mit den antisemitischen Wortführern gemachten Erfahrungen, denn Schaden macht zwar nicht reich, aber klug.

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