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Im deutschen Reich · 1913-02-01 · Heft 2 (Februar 1913) · p. 64

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 2 (Februar 1913)
Article
Der Kampf der Posener Juden um das Stadt- und Staatsbürgerrecht und seine Folgen
Date
1913-02-01
Page
64 (sequence 5)
Language
German
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Diese Erwägung der Negierung war wohl begründet, denn die politische Bewegung, welche in den vierziger Jahren einsetzte, ließ auch die Posener Bürgerschaft nicht unberührt und führte, eine völlige Verschiebung des Verhältnisses der verschiedenen Nationalitäten bzw. Konfessionen zueinander herbei, die von einschneidender Bedeutung für die politische Konstellation innerhalb der Posener Bürgerschaft bis zur Gegenwart geworden ist. Der freie Geist, der sich überall Eingang zu verschaffen suchte, zog auch allmählich in die städtischen Körperschaften ein und machte sie für die Forderungen der Zeit zugänglicher. Während der damalige Posener Oberbürgermeister Ben mann bisher sich den Inden schroff gegenübergestellt hatte, trat er 1847 im „vereinigten Landtage" mit solcher Warme für die vollkommene Emanzipation der vorher von ihm mit aller Schärfe bekämpften Juden ein, daß sich der Posener Gemeindevorstand veranlaßt sah, ihm dafür eine Dankadresse zu überreichen. Was aber auf die Emanzipationsbestrebungen besonders fördernd einwirkte, das war die beginnende polnische Bewegung. Der Eifer der Bürgerschaft für die deutsch-nationale Sache begann zu schwinden. Wohl bestand 1843 die Stadtverordnetenversammlung in ihrer Majorität aus Deutschen, doch wurde ein Pole zum Vorsteher dieser Körperschaft gewählt. Ein Jahr später erlangten die Polen die Mehrheit. Angesichts.einer solchen Erstarkung des Polentums konnte sich die Staatsregierung der Erkenntnis nicht verschließen, daß der Antisemitismus, gleichviel in welcher Form, in Posen nicht am Platze sei. Das Deutschtum hatte in der Hauptstadt noch immer keine tiefen Wurzeln gefaßt, ja, es drohte zu unterliegen, und es konnte nur dann wieder die Obergewalt erlangen, wenn nicht mehr die religiösen Gegensätze in den Vordergrund gerückt würden. Lediglich durch die Mitarbeit der Juden kannte die deutsch-nationale Sache erhalten und gefördert werden. Das alte Mißtrauen und das eingewurzelte Vorurteil gegen die Juden mußten schwinden. Die Juden zeigten sich denn auch mit Freuden bereit, im Verein mit den christlichen deutschen Bürgern sich politisch zu betätigen. Es begann sich nun eine nationale Reaktion bemerkbar zu machen. Namentlich fühlte sich das jüngere, gebildetere Geschlecht gedrängt, mit aller Kraft für das Deutschtum einzutreten, und ihm schlossen sich zahlreiche Angehörigen jener jüdischen Kreise, in denen schon längst die Kultur und mit dieser Sinn und Interesse für die Fragen der Zeit Eingang gefunden, mit ernstem Eifer an. Am als gleichberechtigte Kämpfer sich an die Seite der Deutschen stellen zu können, erwarben nun die Posener Juden

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