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Im deutschen Reich · 1913-02-01 · Heft 2 (Februar 1913) · p. 53

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 2 (Februar 1913)
Article
Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens am Schlusse des zweiten Jahrzehnts
Date
1913-02-01
Page
53 (sequence 4)
Language
German
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Der Centralverein deutscher Staatsbürger mW, 5Z Ein solcher Rückblick ist gewiß geeignet, die Freunde unserer Sache zu erfreuen und sie zu ermuntern, in den sich mehr und mehr in Deutschland ausbreitenden Landesausschüssen und Ortsgruppen mit Lust zu arbeiten, oder als Vertrauensmänner in kleineren Gemeinden den Centralverein mit regem Eifer zu fördern. Roch sind unsere Ziele lange nicht erreicht; der Antisemitismus der Gasse ist entschwunden, der mehr versteckte Antisemitismus lebt weiter fort, und feine Bekämpfung ist noch schwieriger. Aber wir verzagen nicht. Unbekümmert setzen wir unsere Versuche weiter fort, den Juden gegen den wirtschaftlichen Antisemitismus Schutz zu verleihen und die Boykottbewegung einzudämmen. Die Bekämpfung der noch im Staats- und Heeresdienst vorhandenen Zurücksetzungen wird auch ferner Gegenstand unserer eifrigsten Bemühungen sein. Die weiteren Erfolge hängen indessen davon ab, daß die deutschen Juden sich nicht durch den langsamen Fortgang auf dem Wege der Erreichung der vollen Gleichberechtigung verbittern lassen, daß sie ebenso wie in der G laubenstreue auch in der Liebe zum deutschen Vaterlande ausharren, daß sie sich nicht freiwillig wieder absondern und in das Getto einsperren. Die Schranken würden bald wieder aufgebaut sein, wenn sich viele Juden aus Mißmut über die Fortdauer der antisemitischen Bewegung verleiten ließen, sich selbst nicht mehr als deutsche Staatsbürger, sondern nur noch als S ch u tz j u d e n, das deutsche Vaterland aber, das sie zu schätzen und zu lieben allen Grund haben, etwa nur noch als eine kündbare Mietswoynung zu betrachten. Wir haben im Laufe der Zeit durch Vaterlandsliebe, Selbstvertrauen und Selbstachtung viel erreicht, und wir werden noch weit mehr erreichen, wenn wir uns ebenso wie unserer vaterländischen Pflichten auch unseres eigenen Wertes für das Vaterland bewußt bleiben und danach handeln. Wir dürfen uns weder überschätzen noch überheben. Wir müssen aber jeden als Feigling betrachten, der das Lob und die Gunst -unserer Gegner dadurch zu erlangen sucht, daß er ihnen verstimmt, wenn sie uns unser Deutschtum bestreiten oder unsere Verdienste um die deutlche__8ultur in Abrede stellen. Wer den Gegnern zum Munde redet, für den haben wir nichts übrig. Die Bescheidenheit ist den Freunden gegenüber am Platze, niemals aber rücksichtslosen, unsere Ehre antastenden Gegnern. Vor allem aber müssen wir in einer bewegten Zeit, wie es die unsrige ist, dafür Sorge tragen, daß die sich auch unter den Inden geltend machenden trennenden Strömungen auf politischen, wirtschaftlichen, religiösen und kulturellen Gebieten nicht iu den Centralverein hineingetragen werden, der als ein neutraler Boden für die Abwehr äußerer Feinde und für die Hebung einer gesunden Solidarität nicht in innere Kämpfe verwickelt werden darf, die ihn nichts angehen. Wer

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