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Im deutschen Reich · 1913-02-01 · Heft 2 (Februar 1913) · p. 52

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 2 (Februar 1913)
Article
Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens am Schlusse des zweiten Jahrzehnts
Date
1913-02-01
Page
52 (sequence 3)
Language
German
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52 Im deutschen Reich. das Solidaritätsgefühl der deutschen Inden, gegründet auf gegenseitige Wertschätzung und aus ein wesentlich erhöhtes Selbstvertrauen. Das gemeinsam erlittene Anrecht lies; nicht nur alle inneren Zwistigkeiten vergessen, sondern machte auch Männer, die bisher ihr Judentum als etwas Nebensächliches, Zufälliges angesehen hatten, zu Mitkämpfern, welche sich wieder offen als Juden bekannten und mit dem Judentum vertraut zu machen suchten, um zu wissen, wofür sie stritten und litten. Die Zahl derer, die sich durch die leider von dem Staat für den Aebertritt zum Christentum gewährten Prämien zur Fahnenflucht verleiten lassen, ist immer noch ansehnlich. Am diesen Aebelstand zu bekämpfen, hat der Centralvcrein in den verschiedensten Großgemeinden von beruseiien Rednern Vorträge gegen die Juden taufen halten lassen, die unverkennbar aus materiellen Gründen erfolgen und sowohl das Judentum wie das Christentum schädigen. Soweit dies möglich war, sind dadurch auch viele Juden veranlaßt worden, sich von solchen Abtrünnigen loszusagen und auf die Gemeinschaft mit Fahnenflüchtigen völlig zu verzichten. Er hat aber auch durch massenhafte Verbreitung apologetischer Schriften auf die einzuwirken versucht, die von dem Judentum zu tvenig wissen, um den Väterglauben in seinem vollen Werte zu schätzen und der Versuchung zum Abfall widerstehen zu können. Was die Rechtsschutz-Kommission des Centralvereins im Verlaufe von zwanzig Jahren durch ihre emsige Arbeit erzielt hat, kann im engen Rahmen dieses Artikels nicht einzeln gewürdigt werden. Die darüber vorhandenen Akten füllen Schränke und Regale, für die selbst die jetzigen großen Bureauräume kaum noch genügen. Das Archiv und eine etwa l'lOO Bände umfassende Vereinebibliothek bilden ein vielfach benutztes Arsenal für die Abwehrtätigkeit. Die Vereinszeitschrift „Im deutschen Reich" ist eine wohl beachtete Sammlung von Studien und Aufsätzen geworden, welche die staatsrechtliche, soziale und wirtschaftliche Stellung der deutschen Juden beleuchten; sie ist durch ihren Nachrichtendienst ein Quellenwerk für die Geschichte der judenfeindlichen Bewegung und hat eine solche Verbreitung gewonnen, -aß sie in einer Auflage von 37 OOv Exemplaren jetzt die verbreitetste jüdische Zeitschtift in Deutschland ist. Am 1. Juli 1893 wurde sie mit einer Auflage von 3500 Exemplaren gegründet; seitdem hat sich die Auflage also mehr als verzehnfacht. Die Zahl der Mitglieder des Centralvereins ist in beständiger Zunahme begriffen. Sie betrug am Schlüsse des ersten Jahrzehnts, abgesehen von zahlreichen korporativ angeschlossenen Organisationen: 12000; am Schluffe des Jahres 1912 umfaßte der Centralverein bereits über 34 000 Einzelmitglieder in allen deutschen Gauen.

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