Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1913)
- Article
- Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens am Schlusse des zweiten Jahrzehnts
- Date
- 1913-02-01
- Page
- 51 (sequence 2)
- Language
- German
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Der Centratverein deutscher Staatsbürger usw. 51 Immer wettere Kreise überzeugten sich davon, daß nun eine Stelle vorhanden war. an der jeder deutsche Jude, dem nur wegen seiner Zugehörigkeit zum Judentum Anbill widerfuhr. Rat und, wenn irgend möglich, auch Beistand erhalten könne. So wurde der Centralverein nach dem biblischen Wort „zu einer Mutter und einer Burg in Israel", eine schützende Burg für ungerecht Bedrängte, eine Mutter, bei der Hilfesuchende mindestens warmes Mitgefühl und lindernden Trost fanden! Anter der Leitung des im Dezember 1894 zum Vorsitzenden des Vorstandes gewählten Iustizrats Di\ M. Horwitz wurde die Organisation des Vereins wesentlich vervollkommnet und von ihm im Verein mit dem stellvertretenden Vorsitzenden, dem Geheimen Iustizrat Dr. Eugen Fuchs, immer größere Klarheit über die Ziele und Bestrebungen des Centralvereins verbreitet. Es erweckte besonderes Vertrauen, daß die Schrift Raphael Löwenfelds „Schutzjuden oder Staatsbürger die die zündende Anregung zur Selbstverteidigung gegeben hatte, keineswegs in allen ihren Einzelheiten von den: Vorstande als das Programm des Vereins angenommen wurde. Das Programm steht vielmehr in den massenhaft verbreiteten Aufrufen und Satzungen des Vereins fest umschrieben. Seit Jahren ist bekannt, daß der Centralverein daran festhält, alle Kultus- und Ritualfragen den Rabbinern, alle Gemeindeverwaltungssachen den Vorständen der Synagogengemeinden bzw. dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde zu überlassen, und daß er sich darauf beschränkt, die staatsbürgerlichen Rechte der deutschen Juden zu verteidigen und möglichst jedem beizustehen, der wegen seines Judentums gekränkt wird. Niemals hat sich der Vereinsvorstand verhehlt, daß die Abwehr nach außen nur dann dauernde Erfolge erzielen kann, wenn gleichzeitig eine Gesundung der inneren Zustände, eine ethische Hebung, eine Verinnerlichung des Judentums bewirkt wird. Durch das gemeinsame Wirken nach außen ist dieses Streben nach innen wesentlich erleichtert worden. Von den Freunden unserer Sache wird der in dieser Richtung erzielte Erfolg, daß der Centralverein zu einem neutralen Boden wurde, auf dem jüdische Männer der verschiedensten religiösen und politischen Anschauungen sich beständig brüderlich zur Wahrung ihrer staatsbürgerlichen Rechte zusammenfinden, ebenso hoch veranschlagt wie die meisten anderen mühsam erkämpften äußeren Erfolge. Was vorher fast nur in der Einbildung der Antisemiten bestand, von ihnen wohl auch nur behauptet wurde, um die Massen an eine jüdische Gefahr glauben zu machen, das wurde eigentlich erst durch den Centralverein hervorgerufen: