Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- Kattowitz
- Date
- 1913-01-01
- Page
- 27 (sequence 6)
- Language
- German
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V er einsnachricht en, 27 Händen ist, auf ihrer Seite allein zu finden Ware, alles Widerwärtige und Faule auf der Gegenseite, hier habe ein Redner, der persönlich auf streng-religiös konservativem Boden stehe, den Zionismus in das Gewand der Religion gehüllt und als Verkörperung der Religiosität dargcstellt. hin und wieder aber fühlen sich Vertreter des Zionismus zu dem Geständnis gedrängt, daß Zionismus und Religion nichts miteinander zu tun haben, daß vom Standpunkte des Rationalismus aus auch getaufte Juden gute Zionisten sein könnten. So erst neulich auf einer Versammlung in Löln.. hier setzte ein solcher Tumult ein, daß der Redner nicht weitersprechen konnte. Erst als infolge Intervention des Geh. Rat Fuchs Herr Arnold Wiener zu einer faktischen Berichtigung das Wort erlangt hatte, beruhigte sich der Tumult. Rach einer gegen den. Standpunkt des „Israelit" gerichteten Aeußerung des Herrn Or. Ehrenfried aus Kattowitz er-' hielt der Referent des Abends das Schlußwort: Herr Geh. Iustizrat vr. Fuchs wies dabei darauf hin, daß er mit einem Gefühl schmerzlicher Berührung aus der Versammlung gehe, da er habe sehen müssen, daß er von den Anhängern des Zionismus falsch verstanden worden sei. Ls habe ihm ferngelegen, in seinen Ausführungen die zionistische Vereinigung anzugreifen, mit der der Lentralverein ganz gut eine Strecke Weges gehen könnte. Das Hauptziel aller deutschen Juden aber müßte doch vor allem sein, Gleichberechtigung mit den anderen Staatsbürgern, unbeschadet der Treue zur Glaubensgemeinschaft, zu erringen, mitzuleben im deutschen Geistesleben, ohne die berechtigte Eigenart jüdischen Gemüts» und Geistes abzuschütteln. Die seelischen Werte des Judentums lagen in seinem Glauben und in seiner Sittenlehre, nicht in dem Gedanken des Iudenstaates. Der Iudenstaat sei eine vergängliche Erscheinung; er möge als öffentlich gesicherte Heimstätte für die entrechteten Juden des Ostens wertvoll sein, für die westlichen Juden könne er weder Vorbild noch Rückhalt sein; für sie gelte es auf dem Boden vaterländischer Kultur eine Renaissance des Judentums zu begründen. — Darauf schloß Herr Sauitätsrat vr. Glogauer in vorgerückter Stunde die Versammlung. Nachträglich hat der Vorstand der Lentralvereins- Ortsgruppe K ö n i g s h ü t t e eine von dem Vorstände der Shnagogengemeinde Königsbütte und sieben anderen jüdischen Organisationen in Königshütte mitunterzeichnete Erklärung des Inhalts veröffentlicht, daß sie Herrn Rabbiner vr. Goldschmidt den Ausdruck ihres Vertrauens und ihre tiefste Empörung über das Verhalten derjenigen Zionisten aussprechen, die, anstatt einen eventuellen Irrtum in parlamentarischer Form zu berichtigen, das Gastrecht derartig mißbraucht haben, wie es in der Versammlung in Kattowitz geschehen ist. * — Landesverbandsversammlung. Am 20. November fand in Kattowitz eine Versammlung des Landesverbands Obers chlesren statt, die außerordentlich stark, nämlich von über fünfzig Delegierten aus neunzehn Ortschaften besucht war. Aus dem Propagandabericht, den Herr Rabbiner Or. G o l d m a n n - O p p e l'n erstattete, sei hervorgehoben, daß in den zwei Jahren seit der Begründung des Landesver-