Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- Kattowitz
- Date
- 1913-01-01
- Page
- 26 (sequence 5)
- Language
- German
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26 Im deutschen Reich. lange. Der Zionismus arbeite für die IudenheiL und für Besserung der Zeitverhaltnisse, der Centralvereinsgedanke kämpfe außerdem für das Judentum und seine alten, ewigen Ideales Mitgliedschaft im Cenlralverein sei allein natürlich noch kein Judentum, sie sei aber für jeden Juden, der sich bewußt auf den alten idealen Boden stelle, unbedingt notwendig. Schließlich erinnerte der Redner an die Propheten, die ihre Ideale tauben Ohren gepredigt und nur Verfolgung und Tod geerntet hätten. Wie aber für die Richtigkeit ihrer Ideen der Erfolg kein Maßstab gewesen fei, so hatten auch wir im Centralverein, wenn auch alle Welt in Rassenhaß und Angerechtigkeit befangen sei, die sittliche Pflicht, das hohe Lied der Gerechtigkeit und der Persönlichkeit den Ausschreitungen des nationalen Rassenwahns unserer Umgebung gegenüber unermüdlich zu betonen. Sodann verwies Herr Vr. Sandler-Charlottenbura auf die' großen Schwierigkeiten des jüdischen Problems. Sr gab zu, daß auch von zionistischer Seite dem deutschen Vaterlande Dank entgegengebracht werde, da auch die Juden die Segnungen deutscher Kultur kennen gelernt haben. So lange die Juden in Deutschland lebten, könnten sie gute Deutsche sein. Das hindere sie aber nicht, dann, wenn sie etwa nach Amerika oder der Türkei gingen, gute Amerikaner bzw. gute Türken zu werden. Herr Rabbiner vr. Goldjchmidt-Königshütte erklärte hierauf, daß er eine Diskussion mit den Zionisten für zwecklos halte, weil man sich doch einander nicht überzeugen könne. Der Redner fügte hinzu: In den kleineren Gemeinden der Provinz sind sie besonders bedenklich, weit durch sie Zwistigkeit selbst per* sönlicher Ratur heraufbeschworcn wird. Darum ist mir der in K'önigshütte oft ausgesprochene Wille, die Grenzen der Ventral ität zu beachten und rnnezuhalten, sympathisch. Rur müsse diese Neutralität auf beiden Seiten gewahrt werden. Es gehe nicht an, daß die eine Seite ständig angreife, und dann von der andern Zurückhaltung erwarte. Auch die Versicherung Dr. Friedemanns, die Zionisten wollten die Ziele des Ccntralvereins kräftig mit* fördern, sei freudig zu begrüßen. Rur merke man in der Öffentlichkeit nicht viel von diesem Eifer. Dieser Kampf für die Staatsbürgerrechte Deutschlands werde von ihnen sehr tau geführt, stehe jedenfalls an zweiter oder noch spaterer Stelle. Diese Versicherung Di*. Friedemanns sei auch wesentlich eingeschränkt worden durch Sätze wie: „Solange wir in Deutschland leben." Das hört sich an wie ein Kamps ums Recht auf Kündigung. Bei den Staatsbehörden dürfte der Eifer, uns Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, durch solche Erklärungen nicht erhöht werden. Der Zionismus habe sich auch in den Versammlungen gerühmt, daß der Centralverein von ihm dazu gedrängt worden sei, auch immer „jüdische Kultur" zu pflegen und damit die Abwehrtätigkeit zu ergänzen. Dieser Entschluß des Centralvereins, von dem auch Geheimrat Fuchs gesprochen habe, sei sehr zu begrüßen, aber es käme doch sehr darauf an» was m an unter jüdischer Kultur verstehe. Zionismus und Centralverein dürften verschiedenes damit meinen. Sonst betrachten sich die Zionisten als die alleinigen Träger der wahren jüdischen Kultur, und sprachen sie ihren Gegnern ab. Sie verfahren so, wie es Fuchs an Edua:*o von Hartmann mit Recht getadelt hatte, der alle Schatten auf die Juden, alle Lichter auf die Christen geworfen hat. Es gibt gewiß in der gegenwärtigen Iudenheit viel Gleichgültigkeit» Ehrlosigkeit und Gesinnungslosigkeit, die wir beklagen und bekämpfen, aber die Zionisten tun so. als ob alles Gute, Wahre. Reine, was im Judentum der Gegenwart vor-