Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- Kattowitz
- Date
- 1913-01-01
- Page
- 25 (sequence 4)
- Language
- German
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PereinSnachrichtenL 25 rebner hebe sich darüber beklagt, daß der Centralverein dem Zionismus gegenüber keine Neutralität halte, daß man fortwährend Somhart angreife und den Zionismus meine. Demgegenüber möchte er erklären, daß er — wie eben natürlich auch der Centralverein — sich in keiner Weise hindern lassen könne, seine Grundanschauungen in eigenen Vereinsversammlungen zu entwickeln. Wenn das am besten — zurzeit wenigstens — an Sombartschen Schriften und Anschauungen geschehen könne, so könne um der Sache willen kein Grund anerkannt werden, der das hindern könnte. Die Zionisten sahen nicht, daß Sombart ihre eigene Politik benutzt, um uns in unserem Rechtsramps aufzuhalten. Herr Sombart empfehle die zionistische Politik, weil sie ihm ein geeignetes Mittel erscheine, in Deutschland alles beim alten zu lassen. Der Redner bedauerte ferner, daß zionistische und antisemitische Gedankengänge — in ihren Motiven selbstverständlich so . grundverschieden — so häufig sich begegneten. In der Kunstwartdebatte habe Avenarius nach den Auslassungen von Moritz Goldstein gesagt: „Den tatsächlich erreichten Zustand könnte der leidenschaftliche Antisemit nicht besser schildern als der begeisterte Jude Goldstein!" — (Zd)on klinge von zionistischer Seite ein Ton, dessen Sinn sei: Deutsche Literatur und Kunst sei „verjudet". Gr aber frage, ob eine Sache schon deshalb „undeutsch" oder im üblen Sinne „jüdisch" sei, weil die Autoren — selbst überprozentual — Juden seien. Redner geht dann zu der prinzipiellen Seite der zionistischen Weltanschauung über und erklärt die Stellung zum Zionismus abhängig von zwei Mngen: erstens von der Hinneigung zu der von ihm kurz bezeichneten „Orientkultur" — eine Frage, die jeder mit seinem eigenen Gefühl abmachen müsse —, zweitens von der Möglichkeit der Aussicht auf die politische Erfüllung des Zionismus. Er persönlich habe zu der zusammenbrechenden Türkei, die übrigens auch in den Zeiten der Morgenröte der Konstitution sich gegen die Masseneinwanderung gewehrt habe, kein sonderliches Vertrauen. Die Türkei habe üble Erfahrungen gemacht mit den Autonomien u. dgl. Juda aber solle doch Juda sein und nicht judaisierte Türkei. Der Kampf, den wir im Centralverein kämpfen, müsse unter allen Umständen ausgefochten werden, und darum müßten alle Hindernisse beseitigt werden, die ihn aufhalten könnten, von wem sie auch immer kommen. Den Zweifeln des Vorredners bezüglich der Stellung der türkischen Regierung zu den Palästinaplänen begegnete Herr vr. Friede mann damit, daß er in zündenden Worten Palästina als Zufluchtsort für die Ostjudenheit und seelischen Jungbrunnen für die Westjudenheit würdigte. Uebrigens brauche jetzt die erschöpfte Türkei neue frische und wirtschaftliche Kräfte und werde deshalb die Juden aufnehmen. Der nächste Redner, Herr Rabbiner Dr. Goldmann- Oppeln wies darauf hin, daß die Aebereinstimmuna zwischen Sombart und dem Zionismus vor allem in der Resignation zum Ausdruck komme, mit der beide die juden fei üblichen und ungerechten Zustände unserer Zeit als unabänderliches Schicksal betrachteten, in das die Juden sich fügen müßten. Wenn auch Zionismus und Centralverein praktisch Zusammengehen könnten und müßten, sei doch der Zwiespalt tief in der Weltanschauung begründet. Der Zionismus beurteile alles vom Standpunkte der Iudennot aus, er huldige der materialistischen Geschichtsauffassung, die der Redner den „Fatalismus der Völker" nennt; der Centraloereins-Gedanke sei aber ein Ausfluß des idealen alten jüdischen Geistes, der vor allem Gerechtigkeit als oberstes Weltprinzip der-