Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- Kattowitz
- Date
- 1913-01-01
- Page
- 24 (sequence 3)
- Language
- German
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24 Im deutschen Reich. Wir Deutsche werden wollen, sei dies ebenfalls falsch; wir brauchen es nicht zu werden, wir sind es schon. Goldstein zeige uns im Spiegelbilde, was wir nicht tun sollen. Die sich daraus ergebende Frage „Was sollen die Juden aber Lun?" beantwortete der Redner wie folgt: Nicht verzweifeln, nicht resignieren, sondern unbeirrt um Haß und Verachtung weitergehen, zurückblicken auf das, was hinter uns liegt, nicht erschrecken vor der zu erklimmenden Höhe, nicht verzagen, wenn noch nicht alles erreicht ist, ausharren in der Vaterlandsliebe und auf dem Boden, auf dem wir gewachsen sind, in Glaubenstreue und Stolz auf die Geschichte des Judentums und frei von Ueberhebung unsere Kulturaufgaben erfüllen. Wir brauchen dann um die Zukunft nicht zu bangen. Sollten wir aus Mangel an Menschen untergehen, so werden wir nur das Menschheitsgeschick erfüllen. Aber nicht wollen wir untergehen durch Abfall, Haß, Abtrünnigkeit oder Furcht vor den Antisemiten. Der Centralverein habe die Juden bestärkt und bekräftigt. Sombart, der selbst gesagt habe, daß ein Jude, der sich als Jude fühle, am deutschen G eist seinen vollen Anteil haben könne, hätte eigentlich auch für den Begriff des deutschen Staatsbürgers jüdischen Glaubens Verständnis haben müssen. Der Centralverein habe mit besonderem Nachdruck das deutsche Judentum hinausgetragen. In Treue, Stolz und Einigkeit wird in diesem Sinne trotz aller berufenen und unberufenen Propheten unser Kampf dem..Iudentum, dem Vaterlande und der Menschheit zum Segen gereichen. An den eineinhalbstündigen Vortrag schloß sich eine längere, sehr lebhafte Debatte. Her Arnold Wiener aus Kattowitz meinte als Mitglied der zionistischen Vereinigung, dem Professor Sombart sei bei der Beurteilung seines Buches von dem Redner einiges Anrecht zugefügt worden. Die Zionisten müßten in den Angriffen auf Sombart, der kein Judenfeind sei» einen Angriff auf ihre Ideen erblicken, weil die Hoffnung auf die Wiederherstellung eines eigenen Judenstaats in Palästina oder einem anderen Platze den Grundgedanken ihres Ziels bilde, und sie dadurch sich in einem Gegensätze zu den Bestrebungen des Centralvereins befänden. Die lokalen Instanzen des Centralvereins hatten die Interessengemeinschaft mit dem Zionismus bisher nicht gut verstanden. Für den Zionismus bilde der Zusammenhang des Judentums mit Palästina eine Schicksalsfrage. Wer diesen ewigen Zusammenhang bejahe, entscheide sich für das Leben des Judentums, wer ihn verneine, für seinen Anterganq. Diese Worte veranlahten bei einem Teil der Versammlung Beifall, bei einem anderen Protestrufe. Sodann führte Herr Dr. Alfred Goldschm idt- Königshütte unter lebhafter Zustimmung folgendes aus: Es gehe nicht an, daß lange gegnerische Ausführungen an den eigens vom Centralverein veranstalteten Abenden vorgetragen würden. Prinzipiell entgegenstehende Ansichten dürften wohl zu Wort kommen, aber sie müßten knapp und präzise sein. Der Vor-