Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- Kattowitz
- Date
- 1913-01-01
- Page
- 23 (sequence 2)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. 23 Herr Goldstern meint, wir mösen uns immerhin ganz deutsch fühlen, die anderen fühlen uns als ganz undeutsch. Sie nennen das jüdisch, was wir deutsch nennen, vermissen das germanische Gemüt und hören das asiatische heraus. Der deutsche Parnaß sollte einen Juden nicht locken, das lehre u. a. das Beispiel Heinrich Heines. Ls gebe nur eine nationale Kunst, und wenn die nationale Eigenart sich nicht veredeln lasse und die Juden nichts als Juden wert seien, dann seien sie überhaupt nichts wert. Für Volk und Kunst sei die Voraussetzung jeder Entwicklung ein eigener Boden: für das Volk den Zionismus, für die Kunst die Wiederbelebung der hebräischen Sprache und hebräischer Poesie. Wir deutsche Juden, wir heute Lebenden, sagt Moritz Goldstein, können ebensowenig hebräische Dichter werden, wie wir nach Zion auswandern können, so sehr wir wünschen müßten, aus dem Kompromiß der Halbheit der Menschen- und Mannesunwürdigkeit herauszukommen, weil dies — in absehbarer Zeit wenigstens — unmöglich sei. Trotz Verfolgung, Verhöhnung und Mißachtung sei das Judentum im Laufe einer mehr als tausendjährigen Gemeinschaft mit dem Deutschtum so eng in den Wurzeln verwachsen, daß beide nicht mehr voneinander gelöst werden können. Wir können unser Deutschtum nicht von uns tun, wie man ein Kleid wechselt; wir wollen das auch nicht ausgeben, denn das hieße uns das Blut unseres Lebens abzapsen, aber wir wollen nicht mehr um eine Gunst bitten, die man uns solange vorenthalten hat und nach einer kurzen Epoche scheinbarer Versöhnung von neuem vorenthalt. Wir wollen nicht mehr Werte produzieren und uns dann sagen lassen, daß das Unwerte seien, die das herrliche Deutsche entstellen. Der Redner des Abends vertrat dagegen den folgenden Standpunkt: Goldstein zeigt uns, was wir wollen müßten, sagt uns aber nicht, warum wir es nicht wollen können. Er zeigt uns ein Problem, für das er keine Lösung weiß.. Seine Ausführungen ignorierten das historisch Gegebene, beruhten auf einer falschen Bewertung des Begriffes von Volk und Nation. Goldstein begegne sich mit Sombart darin, daß er wie jener den Iudenstaat zur Verbesserung jüdischer Eigenart erstrebt. Während Sombart eine Scheidung der Kulturen behufs Vermeidung eines verschlechterten Gemisches verlangt, wünscht Goldstein einen Sprung in die neuhebraische Literatur. Sombart behandelt die staatsrechtliche Stellung der Juden, Goldstein ausschließlich ihre Stellung in der Literatur. Dabei werden die historischen Wahrheiten entstellt; der in den Ausführungen enthaltene feinfühlige Stolz ist zum Teil falsch. Die irrtümliche Einschätzung der jüdischen Kunstleistung könne ebensowenig den Sprung in die neuhebräische Literatur, als den in den Iudenstaat und in den Zionismus rechtfertigen. Wenn Lissauer gesagt habe, daß