Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1913-01-01
- Page
- 16 (sequence 5)
- Language
- German
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16 Im deutschen Reich, schwerer Zeit wirkt der Antisemitismus als F r i e. densstörer besonders nachteilig. Die radikal-antisemitische Presse verhehlt nicht, daß sie die das Reich bedrohenden auswärtigen Verwicklungen für ihre dunkle Parteisache gründlich auszunützen hofft. Die „Staatsbürger-Zeitung" veröffentlicht einen Brief aus Jena, in dem den jüdischen Mitbürgern im Falle eines Krieges oder einer Revolution nach russischem Vorbild organisierte Pogrome als antisemitische „Huöenöänrinerung" angedroht werden. Es heißt darin wörtlich: „Alle, die sich von dem hebräischen Bann befreit haben — und ihrer sind mehr als man denkt — werden, wenn einst die Revolution die eigenen Brüder rafft, auch dafür sorgen, daß jene Fremdlinge mitgetroffen werden, die durch ihr unverantwortliches Treiben in diesen letzten fünfzig Jahren das Leid und den inneren Zwist über uns gebracht haben. Mit dieser Sühne vor Augen, die wenigstens unseren Kindern und Enkeln Erlösung vom Schlimmsten verheißt, sehen jetzt Tausende in Deutschland entschlossen dem Unvermeidlichen entgegen. Den Hebräern kann dann auch die Flucht ins Ausland zu ihren Rassegenossen nichts mehr nützen. Auch ein Krieg, den wir Deutsche mit auswärtigen Feinden zu führen haben werden, zieht dieselbe Lösung der Iudensrage nach sich. Denn unser dann durch große Ereignisse aufgerütteltes, entzaubertes Volk wird völlig Trug und Verelendung erkennen, die Juda ihm verhängte, und wird die Uebeltaten sühnen, die begangen sind. Eine I u d e n d ä m - merung, weitschauenden Augen nicht unsichtbar, hängt wahr und wahrhaftig über dem Horizonte." Wir denken von dem deutschen Volke besser als die antisemitischen Ränkeschmiede und sind fest davon überzeugt, daß dieses offene Bekenntnis zum Anarchismus ihm nur die Augen öffnen wird über den wahren Charakter einer Bewegung, die nur von Verblendeten für einen Schutz staatserhaltender Parteien gehalten worden ist. Die „Iudendämmerung" wird durch Organisierung der antisemitischen Anarchisten von dem „Germanen-Gröen Daniel Fr^nrann" erhofft. Dieser Orden ist nach einer Mitteilung der „Staatsbürger-Zeitung" „nach dem heimlichen Deutschen unserer Tage, dem Verfasser des Buches „Wenn ich der Kaiser war'" genannt worden". Als offene Deutsche „fürchten wir nur Gott und sonst nichts auf der Welt", aber wir verkennen nicht, daß kaum Judenverfolgungen, wohl aber sehr große Nachteile für die deutsche Machtstellung und die allgemeine Sicherheit zu befürchten sind, wenn solche Wühlereien auswärtige Feinde in der Annahme einer inneren Zerrüttung Deutschlands zu An-