Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1913-01-01
- Page
- 15 (sequence 4)
- Language
- German
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Umschau. 15 wirklich br^ Land der Freiheit. Die Juden sind frei, und die Deutschen sind sogar vogelfrei." Die liberale „Königsberger Hartung'sche Zeitung" beklagt mit Recht, daß solcher grobe Unfug in einem Blatte verübt wird, das in einem von amtlichen Stellen eifrig unterstützten Berlage erscheint. Daß die den Forderungen des Zentrums abholden, streng protestantisch gesinnten Konservativen auf keine Unterstützung des Bundes der Landwirte zu rechnen haben, hat der Verlauf der kürzlich in Nürnberg abgehaltenen fünften Landesversammtung bewiesen. Der Leiter der Versammlung, Abg. Beck-Ra.tsbürg, rechtfertigte das Zusammengehen des Bundes mit dem Zentrum damit, daß dessen Partei dem Bunde nicht nur wirtschaftlich, sondern auch in religiöser und kultureller Beziehung naher stehe als die Demokratie; das möge sich vor allem der evangelische Bund gesagt sein lassen. Ueber Ziele deutscher Politik sprach dann der preußische Hauptmann a. D. v. Levezow, der insbesondere vor der unheimlichen Macht des Judentums warnte, die gemeinsam mit dem Hansabund den Staat regiere. An der sich anschließenden Debatte beteiligte sich auch Herr Pfarrer Scholler-Fürth, der nach einem Bericht der „Augsburger Abendzeitung" gesagt haben soll, nicht die Junker hätten das Ohr des Kaisers, sondern andere Leute, deren Bezeichnung ebenfalls mit *3“ anfängt. Dem „Fränkischen Kurier" ist aus Fürth geschrieben worden, der von dem Kurier gebrachte Wortlaut der antisemitischen Stelle in der Rede des Pfarrers Scholler habe in weitesten Kreisen Fürths lebhaften Anwillen erregt und werde allenthalten abfällig beurteilt. Der Berichterstatter des „Kurier" fügt hinzu, die Stadt Fürth sei gewöhnlich als Heimstätte der religiösen Duldung geschildert worden, und erst kürzlich habe dies bei dem Jubiläum der israelitischen Realschule der protestantische Dekan Herold als Wortführer der evangelischen Bevölkerung getan. Die Zeit, in der wir leben, ist sehr ernst. Die am 7. Dezember erfolgte amtliche Bekanntmachung, daß der Dreibund ohne jegliche Abänderung erneuert worden sei, dürfte nur den Zweck haben, die Kriegspartei in Rußland vor weiteren bedrohlichen Kundgebungen zu warnen. Immerhin ist die Gefahr nicht ausgeschlossen, daß das deutsche Reich sich einmal nach zwei Fronten hin zu verteidigen haben wird. Es ist ebenso wie das Judentum von Feinden umringt, und hat ebenfalls hinreichenden Grund, innere Zwistigkeiten, besonders solche religiöser Natur, friedlich beizulegen und darauf zu halten, daß in einer Zeit der Bedrängnisse nur das betont wird, was die Bevölkerung eint, nicht das, wL sie trennt. In so