Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1912)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1912-12-01
- Page
- 574 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- address
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2316602-2316817-2316828--23131-2346723- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
L74 Im deutschen Reich. auch in diesem Jyallc vergeblich von der „Staatsbürger-Zeitung" Beweis fordern, denn sie kennt nur -Ausflüchte. — In einer Versammlung nassanischer Landwirte, die 31t Herschbach i. Westerwald abgehalten wurde, hat am 19. Mai dieses Jahres der praktische Tierarzt Mar Strehlocke aus Selters Erklärungen über das neue Vichseuchengesetz abgegeben. in denen er die in dortiger Gegend wohnender: jüdischen Viehhändler durch folgende unbegründete Behauptung schwer verletzte. Er sagte: „Wer von euch landwirtschaftlichen Viehbesitzern eine kranke oder tuberkulöse Kuh oder anderes Rindvieh besitzt, töte dasselbe und verkaufe es ja nicht an Juden, dem: diese verkaufen diese kranke Kuh gewöhnlich an einer: armen Bauern als gut und bringen dem armen Mann den größten Schaden. Wo eine solche krar:ke Kuh steht, stürme:: die Juden hin, um solche für ihre Zwecke zu erwerben." Als ihr: jüdische Viehhändler aus Herschbach deshalb zur Rede stellte:: und er» erklärten, Strehlocke schicke selbst gewisse Viehhär:dler zum Kaufe solchen Viehs, wo es sich befirrde, erwiderte er, er würde die erwähuten Aeußerunger: nicht gemacht Haber:, wein: er gcwuszr hätte, das; sich jüdische Herren in der Versammlung befänden. Wir Haber: der: praktischer: Tierarzt Max Strehlocke irr Selters ersrrcht, uns Fälle mitzuteilen, tu denen jüdische Viehhändler sich der vor: ihn: geschilderten Handlungsweise schuldig gemacht hätten. Sollte er nicht ir: der Lage sein, feine Behauptungen zu beweisen oder erfahren haben, daß er selbst getäuscht worden sei, so möchte er seine Beschuldigungen zurücknehmen ur:d seinen Irrtum offen eingesteher:. Herr Strehlocke hat weder, das eine noch das andere getan; er hat arrch r:ichts gegen die Herren unternommen, die ihr: beschuldigt haben, selbst gewisse Viehhändler zum Kauf von krankem oder tuberkrllösen: Vieh auszusenden. Sein Schweiger: genügt aber, um weite Greife zu überzeugen, was sie von seinen Angriffen gegen eir:en ganzen Stand zu halten haben. — Theodor Fritsch, der Vorkämpfer für reirres Germanentum, sammelt seine Mannen im „G e r m a r: e n 0 r d e n". Er macht es seinen Getreuen nicht leicht, in dieser:urdeutschen Verband ausgenommen zu werde::, denn jeder Eintretende muß folgenden Eid leisten: „Ich versichere nach bestem Wissen rrud Gewissen an Lidesstatt, daß sich unter meinen ru:d meiner Frau Eltern ur:d Vorfahren kein Angehöriger der jüdischen Rasse befindet." Lin ganz erheblicher Teil des Adels wird leider unter diesen Amständen ans die Ehre, Mitglied dieses Ordens zu werden, verzichten müssen (vgl. die traurigen Ergebnisse des Semigotha!). . * — Wir erhielten folgende Zuschrift, die wir unter Befür» Wortung ihres Inhaltes wiedergeben: