Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1912)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1912-12-01
- Page
- 573 (sequence 10)
- Language
- German
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Bereinsnachrichten. 573 Wir richteten deshalb an den Minister der öffentlichen Arbeiten eine Eingabe mit der Bitte, geeignete Mas;,,ahmen zur Zeststell,,,,g der Zettelverteiler und znr Beseitigung der anfgetlebien Zettel auzuvrdiien. Darauf ist uns seitens des Herr» Ministers v. Breitenbach der Bescheid zngegangen, das; ans unsere Ein. gäbe hin sämtliche Eisenbahu-Direktioueu. insbesondere die Berlincr, angewiesen seien, dem gerügten Anfuge zu steuern. Dieses Ziel wird sich aber nur erreichen lassen, wenn unsere Mitglieder auch auf die Berteilung derartiger Zettel bei Bahnfahrten achten und möglicherweise die Berteiler sofort durch das Bahnpersonal feststellen lassen. Insbesondere bitte» wir über derartige Vorfälle unverzüglich Nachricht an uns gelangen zu lassen. — Die „Staatsbürger-Zeitung" fct-t in der lchten Zeit «ine Ehre darin, ganze Berufsstände zu beschimpfen, lediglich deshalb, weil in ihnen Juden vertreten sind. So hat sie kürzlich die jüdische Anwaltschaft angepöbelt, ,i|'t jedoch der Aufforderung, die in unsere!» Blau von uuserm Syndikus Herrn i>r. Holländer an sie gerichtet wurde, Beweise für ihre Beschuldigungen jüdischer Anwälte zu erbringen, bis heute nicht nachgckommcn. Bald darauf veröffentlichte sie in Br. 108 unter dem Titel: „Der Haudverkäufer in der Apotheke" einen überaus gehässigen Angriff gegen die jüdischen Apotheker. Ohne Zahlen zu nennen, spricht sie schlechtweg von einer Berjuduug des Pharmaziestandes und nimmt die unbewiesene Behauptung zum Anlaß, den Apothekerstaud in gröblichster Weise zu beleidigen, indem sic erklärt, das; er infolge der „Berjudung" auf das Niveau eines kaum mittelmäßigen Krämer» tums herabgewürdigt worden sei. In Wirklichkeit beträgt der Anteil der jüdischen Apotheker in Deutschland nur 4 uo. Doch die „Staatsbürger-Zeitung" hält cs ja nicht für nötig, ihre Behauptung zuverlässig zu begründen, wenn es sich um Angriffe auf Juden handelt. Sie geht aber noch weiter und konstatiert ein zunehmendes Mißtrauen des Publikums znr Pharmazie infolge ihrer „Berjudung". Unter dem Borgebeu, für die „ordnungsgemäße Medizinvcrsorgung ihrer erkrankten .Mitbürger" besorgt zu sein, fordert sie die zuständigen Behörden auf, die jüdischen Apotheker Unter die Lupe zu nehmen. Ohne auch nur den Schatten eines Beweises, stempelt sic den jüdischen Apotheker zum „Kurpfuscher". Der „flotte Handverkäufer", der neuerdings in vielen Geschäften verlangt wird, hat cs ihr angetan. Es genügt ihk diese rein geschäftliche Maßnahme, in den Apotheken auch kaufnlännisch geschulte Kräfte anzustellen, um den jüdischen Apothekern den Vorwurf der Minderwertigkeit zu machen. Die jüdischen Apotheker protestieren gegen diese gewissenlose, durch nichts bewiesene Beschuldigung, werden jedoch