Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1912)
- Article
- Berlin
- Date
- 1912-12-01
- Page
- 559 (sequence 3)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 559 — Die Wahrheitsliebe der „Staatsbürger-Zeitung" wird durch ein von ihr vor kurzer Zeit gebrachtes Talmudzitat gebührend gekennzeichnet. Anläßlich der Debatte in der Lich - tenberger Stadtverordneren-Versammlung über die Zurückweisung eines jüdischen Assistenzarztes suchte das genannte Blatt den .berechtigten Kampf der Juden gegen die ungesetzliche Beschränkung ihrer Rechte, wie sie auch in der Abweisung jüdischer Mitbürger von den aus öffentlichen Mitteln unterhaltenen Anstalten zur Geltung kommt, ihren gläubigen Lesern, als ein Zeichen jüdischer Anverschämtheit darzustellen, die schon der Talmud in folgendem Zitat gebührend gekennzeichnet gatte: „Drei Dinge sind unverschämt: der Hund unter den Vierfüßlern, der Hahn unter den Vögeln und Israel unter den Völkern." . Das Zitat ist richtig wiedergegeben bis auf das Wörtchen „unverschämt". Das entsprechende hebräische Wort bezeichnet nämlich die geistige bzw. körperliche Stärke, was nicht nur das Wörterbuch, sondern auch eine übergroße Anzahl von Bibelitnb Talmudstellen zur Genüge beweisen; dennoch hielt es der gewissenhafte Aebersetzer für richtig, das hebräische Originalwort „stark" mit „unverschämt" zu übersetzen, trotzdem schon der Sinn der angeführten Stelle ergibt, daß es sich nur um Stärke oder Kraft handeln kann. Recht bezeichnend ist dieses Zitat für die Aebersetzungskünste der „Staatsbürger-Zeitung", die sich bekanntlich in jüngster Zeit wiederholt mit ähnlichen Auslegungen von Talmudstellen befaßt und dabei zur Gnüge dargetan hat, mit welchen Waffen Anwisfenheit und Gehässigkeit kämpfen. — Das „Deutsche Nationalkomitee" der internationalen „Vereinigung zur Bekämpfung des Mädchenh a n d e l s" hat am 13. November d. J. in Stettin jetne Konferenz unter starker Beteiligung abgehalten. Rach einer Ansprache des Vorsitzenden, Wirkt. Geheimrai v. Dirksen- Berlin, sprach Pastor Wagner-Köln über „Mädchenhändler und ihre Opfer" und sagte dabei: „Meistens sind es ungarische, polnische oder galizische Juden, die mit den Mädchen und deren Verwandten die Verträge abschließen, wobei ihnen die große wirtschaftliche Rotlage der Juden in diesen Ländern zu Hilfe kommt, daun aber auch die Vergnügungs- und Putzsucht, mangelhafte Erziehung, Leichtgläubigkeit, unglückliche Familienverhältnisse."' Diese Aeußerung veranlaßte den Vertreter des jüdischen Rationalkomitees, Dr. Landsberg- 0 t e 11 i n, darauf zu verweisen, daß die westeuropäischen Juden, wie auch Major a. D. Wagner in seinen Schriften festgestellt habe, die ersten waren, die den Mädchenhandel