Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1912-12-01 · Heft 12 (Dezember 1912) · p. 556

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 12 (Dezember 1912)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1912-12-01
Page
556 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316817-2316828--23101-2346705
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

556 Im deutschen Reich. empfinden, solche Vaterlands- und religionsfeindliche Ooebameu liegen uns fern! Im Gegenteil halten wir die Liebe zu dem Vaterland und die G laubenstreue für das, was die Bekenner aller Religionen eint und die Gegensätze zwischen Judentum und Christentum in Deutschland überbrückt. Diesem Gedanken hat am 28. Oktober ein Mitglied des Centralvereins, der Reichstagsabgeordnete) Rechtsanwalt I)r. Ludwig Haas- Karlsruhe, in der Generalversammlung des Abwehrvereins in einem Vortrage über „Deutschtum und Judentum" beredten Ausdruck verliehen. Er sagte, die Juden hätten auch in den Zeiten der Verfolgung ihren Stolz darein gefetzt, bezüglich ihrer rdigiöfen Aeberzeugung feine Zugeständnisse zu machen, aber trotz ihrer Absonderung doch ihre Ilmgebung so auf sich eiuwirken lassen, daß die deutschen Inden heute ganz anders geartet seien als die fjnbcix in Spanien, in Marokko ober in der Levante. „Die deutsche!: Juden", fuhr der Redner fort, „haben als Grundlage ihres Denkens beute die d e u tsche Kult u r und n u r die d e u tsche K n l t xt r. Sie sind ein unlöslicher Bestandteil des Deutschtums geworden, sind nicht nur eine Reliaionsgemeinschaft, sondern ein unlöslich, historisch gewordener Vestanöteil des deutschen Volkes. Die deutschen Juden haben den Willen, zur deutschen. Ration zu gehören, und das Bewußtsei!:, ein Bestandteil derselben zu sein; das haben sie durch Oie Tat in Kriegs- und Friedenszeiten bekundet. Der moderne Staat kann aus die Dauer nicht bestehen, wenn er den großen Gedanken der Denk- und Gewissensfreiheit und der Gleichberechtigung nicht restlos durchführt. Nicht nur im Interesse der Juden, sondern vor allem im Interesse des deutschen Reiches muß der Kamps gegen den Antisemitismus geführt werden; denn nichts Gefährlicheres kann es geben, als wenn der Staat die große Grundlage seines Bestandes ableugnet. Führen wir diesen schweren Kamps weiter! Wir sind überzeugt, daß der Sieg uns gehören wird, wenn auch nicht in allernächster Zeit. Was uns zu diesem Bertrauen berechtigt, ist der starke und große Glaube au den Fortschritt der Menschheit!" In derselben Versammlung hatte vorher der Reichstagsabgeordnete Gothein den Geschäftsbericht erstattet, und der Dekan Holder m a n n - Roette l n in einem Vortrage über „Christliche Volkskultur und Antisemitismus" nachgewiesen, daß der Rassenhaß nndeutsch und un christlich sei. Der Redner gab der Hoffnung Ausdruck, daß das deutsche Volk diese Krankheit überwinden unb seine christliche Kultur von diesem Flecken reinigen werde. Die ,.Kreuz-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.