Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-12-01
- Page
- 555 (sequence 4)
- Language
- German
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UmfcfKiu. Verunglimpfung des Alten Testaments begnügen, sondern auch das Neue Testament ablehnen und dadurch die religiösen Empfindungen der gesamten gläubigen Bevölkerung verletzen müssen. Wie weit damit der Nassenantisemitismus geht, zeigt ein Artikel im „Volkserzieher", in dem Eugen Dühring der „asiatischen" Religion die germanische entgegenstellt. Er sagt: „Die angestammte deutsche Sittlichkeit ist eine viel höhere als die zerfahrene des Neuen Testaments. Bon jenem Vertrauen, wie es im Gemüt der germanischen Völker lebt, ist in Palästina kein Gegenstück aufgetaucht. Der Glaube, den Christus forderte, war der Glaube an seine Person, die blinde Unterwerfung unter die Worte des Meisters und Propheten, aber nicht jene naturwüchsige Treue, wie sie im Naturell besserer Völker und Charaktere liegt. Täuschen wir uns nicht! Selbst die Kirchenlieder der neueren Zeit, wie sie der deutsche Protestantismus ausgebildet hat, sind trotz der jüdischen Begriffe, in deren Fesseln sie sich bewegen, nicht ohne Züge jenes deutschen Gemütsadels und jener Gemütskrast, von der nicht bloß bei den Juden, sondern in allem, was Christus in den Mund gelegt wird und was nad; der Erzählung sein Wesen darstellen soll, keine Spur anzutressen ist. Scheuen wir uns also nicht, nach mehr als tausendjähriger Fron wieder ganz wir selbst zu werden." — Solche Auslassungen müssen doch schließlich die preußischen Konservativen überzeugen, wes Geistes die antisemitischen Bundesgenossen sind, die sie lange als Mitkämpfer für Thron und Altar betrachtet haben. Wenn nach solchen Erfahrungen die strengreligiöse „Kreuz-Zeitung" und der fromme „Reichsbote" den Antisemitismus fördern, dann spotten sie ihrer selbst und wissen nicht wie! Wenn sie davon die Haltung der alldeutschen Organe nicht überzeugt, dann sollten es die noch deutlicheren Aeußerungen der radikalen Antisemitenpresse tun. Die „Deutsche Neform" in Dresden tadelt die Stellung der Konservativen zum „Evangelischen Bund" und fügt hinzu: „Wenn die Tatsache, daß die christliche Religion geschichtlich an das Judentum angeschlossen ist, der großen Masse der kirchlichen Volksgenossen dauernd als Scheuklappe vor Augen hängen soll, dann wird einstmals kein anderes Urteil übrig bleiben als das: Das Christentum hat die Deutschen zugrunde gerichtet." Damit hat es aber gute Wege: wir halten uns an den Ausspruch des viel verlästerten Heinrich Heine: „Deutschland hat ewigen Bestands es ist ein wunderbares Land." So viel auch noch an der den deutschen Juden zugesagten Gleichberechtigung fehlt, und so bitter wir die Zurücksetzungen auch