Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-12-01
- Page
- 554 (sequence 3)
- Language
- German
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554 Im deutschen Reich. widrige Bewegung gefördert wird, die sich nicht nur gegen die Juden, sondern allgemein gegen Recht und Gerechtigkeit richtet. Damit, daß die Konservativen ihre letzten Mederlagen als „Iudenwahlen" bezeichneten und jetzt kläglich nach dem „starken Mann" rufen, der ihren Karren aus dem Sumpf ziehen soll, werden sie wenig schaffen. Lin leitender Staatsmann, der wie Bismarck als „starker Mann" das SLaatsschiff lenken würde, müßte es vor allem als seine Pflicht erkennen, Fürst und Volk vor einer widerspenstigen Fronde und vor beutelustigen Flaumachern zu schützen. Ämter einem solchen starken Regiment würde, es die „Staatsbürger-Zeitung"' kaum wagen, die Wahrhaftigkeit der von angeblich „hebräischen" Ministerialdirektoren irregeführten Minister anzuzweifeln und den Evangelischen Oberkirchenrat aufzufordern, dem König von ' Preußen als „Oberstem Bischof" den Rat zu erteilen, nicht länger zu dulden, daß ,, u n ch r istliche G eHeimräte unh Setz e i m o r d e n die Regierung eines christlichen Rechtsstaates zu Anwahrhastigkeiten verleiten." Ern starker Mann am Staatsruder würde auch die Disziplin im Heere berat schützen, daß dem Mitarbeiter des „Hammer" die Lust vergehen sollte, einem der höchsten Offiziere zuzumuten, einer Weisung des obersten Kriegsherrn Widerstand zu leisten. Diese Zumutung erfolgte mit den Worten: „In alten Militärstrafgesetzen war unseres Wissens die Vorschrift enthalten, daß ein Soldat Befehle des Vorgesetzten nicht zu erfüllen brauche, wenn sie Ehrenrühriges verlangen. Mit Juden Gemeinschaft zu pflegen, geht schon gegen j '?s Ehrgefühl. Mit Talmudjuden Gottesdienst halten zu müssen, in welchem hebräisch die wildesten Schmähungen gegen die Akum ausgesprochen werden dürfen, geht gegen eußisches ( mten-Ehrgefühl, um so mehr, als ein großer Teil Vieser Juden notorische Feinde des Königs und Staates sind." Etwas vorsichtiger, aber mit einem ironischen Hinweis auf die „Ladiner Kacheln" gewürzt, hat Freiherr v. Srotthus in der Zeitschrift „Der Türmer" sich über die „patriotische Synagoge" geäußert. Eine bessere Zurechtweisung konnte dem Spötter nicht zu teil werden, als die Besichtigung dieser „patriotischen Synagoge" durch den Kaiser, der damit nicht nur dem Beispiele seines Großvaters folgte, sondern auch öffentlich den Beweis lieferte, daß er sich von Antisemiten keine Vorschriften machen läßt. Daß der oberste evangelische Bischof dabei einen Einblick in die Thorarolle wünschte, wird gläubige Christen nicht in Verwunderung gesetzt haben; denn diese stehen nicht auf dem Standpunkte der Antisemiten, die sich längst nicht mehr mit der